Mit der Wirtschaft geht es wieder bergauf, die Auftragsbücher füllen sich und viele Unternehmen fahren satte Gewinne ein. Es wird Zeit für das Gespräch mit dem Chef und eine Gehaltserhöhung. Experte Martin Wehrle erklärt im Interview, mit welcher Taktik man Erfolg hat und was die größten Fehler sind.
Herr Wehrle, viele Arbeitnehmer wollen den wirtschaftlichen Aufschwung nutzen und mehr Gehalt. Wann ist die Forderung gerechtfertigt? Das ist eine einfache Rechnung. Stellen Sie sich zwei Seiten einer Waage vor. Auf der einen Seite das Gehalt, auf der anderen Seite liegt die Arbeitsleistung. Als Arbeitnehmer muss ich bei der Arbeitsleistung seit der letzten Gehaltsabsprache nachgelegt haben. Wie? Zum Beispiel dadurch, dass ich in der Zwischenzeit mehr Verantwortung im Unternehmen übernommen, Fortbildungen besucht oder der Firma zusätzliche Einnahmen gebracht habe. Wenn ich solche Argumente habe, kann ich gut in die Verhandlung reingehen. Am besten, Sie legen vorher eine Leistungsmappe an. Schreiben Sie sich detailliert auf, was Sie geleistet haben und nehmen die Liste mit ins Gespräch beim Chef. So haben Sie alle Argumente vor sich auf dem Blatt Papier und können sich an dem Leitfaden entlang arbeiten. Und auch Ihr Chef hat etwas in der Hand, wenn er Ihre Ansprüche seinem eigenen Vorgesetzten darlegen muss.Man bereitet sich also über einen längeren Zeitraum vor. Ja, man könnte auch sagen: Vor der Gehaltsverhandlung ist nach der Gehaltsverhandlung. Direkt nach einem Gespräch sollte ich meine Leistung wieder weiter ausbauen und das für mich auch schriftlich festhalten.Viele gute Worte allein bringen offenbar nichts. Nein, nur rhetorisch lassen sich solche Gehaltsverhandlungen in der heutigen Zeit kaum mehr gewinnen. Sie brauchen ein solides Fundament an Leistungen.Was ist die richtige Taktik im Gespräch? Gehen Sie vor, wie in der Werbung. Da wird auch erst gezeigt, wie gut das Waschmittel reinigt. Gezahlt wird dann später an der Kasse. Sagen Sie dem Chef im Vorfeld, dass Sie mit ihm über ihre Perspektiven in der Firma reden wollen. Führen Sie dann im Gespräch zunächst ihre Vorzüge auf, zeigen Sie, was Sie der Firma Gutes getan haben und wie Sie ihren Chef in seinen Zielen vorangebracht haben. Erst wenn Sie sich, also das Produkt, vorgestellt haben, sollten Sie auf das Gehalt zu sprechen kommen. Seien Sie aber sparsam mit den Worten "Gehalt" oder "Gehaltsforderung". Auf manchen Chef wirkt das wie ein rotes Tuch. Was halten Sie davon, sich vorab mit anderen Kollegen abzustimmen? Das halte ich für sehr schlecht. Firmen hassen es, wenn Mitarbeiter sich über Gehälter austauschen. In vielen Arbeitsverträgen steht auch, dass das Gehalt vertraulich zu behandeln ist. Wenn der Chef solche Gespräche mitbekommt, wittert er oft revolutionäre Umtriebe unter den Arbeitnehmern und er macht die Luken dicht.Was sollte ich noch vermeiden? Eine Todsünde ist es, mehr Gehalt zu fordern und das mit dem Einkommen eines Kollegen zu begründen. Das ist keine Aussage über die eigene Leistung und weist - aus der Sicht des Chefs - auf eine Indiskretion hin. Das bringt den Chef gegen mich auf und ich will ihn ja für mich einnehmen. Auch der Hinweis auf gestiegene Benzinpreise und die Kosten für das Eigenheim verbieten sich. Der Chef denkt dann, dass man mit Geld privat nicht umgehen kann und die Firma jetzt dafür einspringen soll. Sie sollten den Vorgesetzten auch nicht plötzlich mit der Forderung überfallen, etwa im Treppenhaus oder wenn man beim Bier zusammensitzt. Für ein solches Gespräch muss man einen Termin vereinbaren.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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