Internationale Politik

Auswärtiges Amt fördert Akademiker

Claudia Obmann
Das Stipendienprogramm, von dem er nun profitiert, hat schon mehr als 250 Fellows hervorgebracht. "Etwa 27 Prozent von ihnen sind tatsächlich bei OSZE, EU, UN oder Weltbank gelandet, und ein weiteres gutes Drittel arbeitet in deutschen Ministerien", sagt Oliver Haack von der Mercator-Stiftung. Die ehemaligen Teilnehmer halten das Netzwerk lebendig, sind Newcomern behilflich.Dazu gehört Stefan Schleuning (siehe Porträt Seite 4). Der 38-jährige Historiker aus der Nähe von Kassel leitet heute das Entwicklungshilfe-Referat für Wirtschaft in Tansania und sagt rückblickend: "Der Hinweis ,Bosch Fellow' ist wie eine Eintrittskarte." Denn die deutschen Stipendiaten sind als Gratis-Zusatzkräfte bei den internationalen Organisationen gern gesehen.Mit viel Engagement hat man gute AufstiegschancenSo konnte Stefan Schleuning, der sich 1998 ursprünglich für den Umweltschutz im Wolga-Delta engagieren wollte, am EU-Hauptsitz gleich als Projektleiter für Kooperationen mit russischen Start-ups einspringen. Von da an wurde er weitergereicht. "Mein Chef in Belgien rief bei seinem Amtskollegen in Moskau an und empfahl mich dorthin", sagt Schleuning. "Hat man erst einmal den Fuß in der Tür, dann ergeben sich Jobangebote beinah von selbst." Flexibilität und Engagement vorausgesetzt.Wer wie Stefan Schleuning dann noch den anspruchsvollen Concours besteht, erfreut sich an der Arbeitsplatzgarantie und einem Einkommen, das deutlich über den Verdienstmöglichkeiten von Beamten im Heimatland liegt. Das Einstiegsgehalt für einen Single im höheren Dienst liegt monatlich bei rund 4000 Euro netto. Ein verheirateter EU-Beamter mit einem Kind bringt anfangs 4800 Euro netto nach Hause. Die erste Beförderung erfolgt meist nach drei Jahren.Doch auch die Anforderungen sind hoch: Ein Zehnstundentag ist für viele Kommissionsbeamte Alltag, Auslandseinsätze sind vorgeschrieben. "Die Auslandsstationen sind der Reiz des Ganzen, aber man bezahlt auch einen Preis, weil die sozialen Kontakte leiden", sagt Stefan Schleuning. Die Scheidungsrate ist hoch, den Kindern machen die Schulwechsel zu schaffen.Sisyphus lässt grüßen: Grenzübergreifend Steine ins Rollen zu bringen dauertBei Annett Möhner lief es anders (siehe Porträt Seite 4). Sie fand schon früh heraus, dass ihre ursprüngliche Vorstellung von tatkräftiger Entwicklungshilfe nichts mit dem Alltag zu tun hatte. In Indien, in der Nähe der pakistanischen Grenze, ohne technische Hilfsmittel Wasserquellen aufzuspüren und es gerecht zu verteilen, das war ihr zu ineffizient. Seitdem sagt die ehemalige Bosch-Stipendiatin: "Feldarbeit ist nichts für mich. Ich bin fürs Hauptquartier geschaffen."Möhner ließ sich als Beigeordnete Sachverständige nach Bonn vermitteln, zum Sekretariat der UN-Klimarahmenkonvention. Dort hat die heutige Referentin zuletzt ein international konsensfähiges Abkommen für den Klimagipfel in Kopenhagen vorbereitet. Zwei lange Jahre musste sie immer wieder neue Entwürfe erarbeiten, bis schließlich alle Unterzeichner einverstanden waren. Was zeigt: Wer Einfluss nehmen will in einer internationalen Organisation, muss vor allem eins mitbringen - Geduld.

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