Internationale Politik

Auswärtiges Amt fördert Akademiker

Claudia Obmann
Schließlich lockt noch ein besonders exklusives Stipendiatenprogramm Hochschulabsolventen mit internationalen Ambitionen: Das früher von Bosch organisierte "Kolleg für internationale Aufgaben" ist gerade von der Mercator-Stiftung übernommen worden. In Kooperation mit der Studienstiftung des deutschen Volkes und dem Auswärtigen Amt läuft jetzt die Bewerbungsrunde für die Jahre 2010/2011 an. "Es sind alle Fachrichtungen willkommen, vom Wirtschaftsingenieur bis zum Historiker. Das selbst gewählte Projektthema muss aber Relevanz für die internationale Politik besitzen", sagt Leiter Oliver Haack.Denn während des 13-monatigen Programms arbeiten die jeweils 20 deutschen Kollegiaten an zwei bis drei Stationen bei unterschiedlichen Organisationen mit und bearbeiten eine praktische Frage der internationalen Zusammenarbeit. Drumherum absolvieren sie mehrwöchige Seminare zur internationalen Politik sowie zur Entwicklung ihrer Führungskompetenz. Die Stipendiaten üben sich zudem darin, angemessen über die deutsche Außenpolitik zu parlieren und treffen dazu hochkarätige Gesprächspartner vom Vier-Sterne-General bis zum jeweiligen Regierungschef im Kanzleramt. Dank Knigge-Kurs können sie danach außerdem nicht nur ein Staatsbankett organisieren, sondern auch als Gast souverän bestehen.Praktikant De Luxe: 300 Bewerber für 20 Mercator-Stipendien pro JahrStiftung und Staat sponsern den Nachwuchs mit monatlich 1250 Euro. Zusätzlich übernehmen sie sämtliche Kosten für die persönliche und sprachliche Weiterbildung der Kollegiaten sowie für ihre Reisen in alle Welt. Kein Wunder, dass das Stipendium begehrt ist. Christoffer Brick aus Potsdam kann es noch immer kaum glauben, dass er unter rund 300 Bewerbern ausgewählt wurde. Seine Mühen, neben der Magisterarbeit noch die Bewerbungsunterlagen "vom Umfang einer Hausarbeit" zusammenzustellen, haben sich gelohnt. Ebenso, wie sich zweieinhalb Tage lang den Strapazen des Assessment-Centers in Berlin zu stellen.Im Sommer 2009 hatte der Absolvent der Freien Universität Berlin mit dem Magister in Nordamerika-Studien und BWL in der Tasche zwar nicht das Gefühl, dass die Jury ihn fachlich auf den Prüfstein stellen konnte. Dafür schien man ihn aber einem Stresstest zu unterziehen. "Ich wurde sehr aggressiv und kritisch zu meinem Vorhaben befragt. Vermutlich um zu sehen, ob ich einknicke", sagt der 28-Jährige. "Je lauter der Prüfer, um so ruhiger wurde ich." Offenbar war es die angemessene Reaktion.Denn nun darf Brick zunächst in Berlin beim Bundeswirtschaftsministerium im Referat für ausländische Direktinvestitionen, später bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Vietnam und dann noch an einer dritten Station wie der EU-Kommission in Brüssel der Frage nachgehen, wie sich für internationale Unternehmen Anreize schaffen lassen, um ihre Zulieferkette nachhaltig und sozialverantwortlich zu gestalten - ohne die Umwelt zu verschmutzen oder Beschäftigte auszubeuten."Als Halb-BWLer bin ich eher ein Exot", sagt Christoffer Brick beim Blick auf die aktuelle Liste seiner Kollegen, auf der sich auch Physiker, Politologen, Islamwissenschaftler und Linguisten finden. Dabei ist seine kaufmännische Expertise durchaus willkommen in der globalen Verwaltung, die ja nicht wie ein Unternehmen darauf angewiesen ist, Gewinne zu erzielen. Dafür muss Brick täglich Geduld beweisen bei der Aufgabe, die Bürokratie und auf seinen weiteren Stationen die kulturellen Unterschiede zu überwinden. "Mein diplomatisches Geschick baue ich gerade aus", sagt er.Auf internationaler Ebene ist diplomatisches Geschick gefragtSein Vorbild ist John Ruggie, der UN-Sondergesandte für Menschenrechte und transnationale Unternehmen und ehemalige stellvertretende UN-Generalsekretär. Vorlesungen von Ruggie hörte sich der Berliner Student während seines Auslandsjahres an der Harvard-Universität an. Der junge Deutsche war beeindruckt von dem Völkerrechtler, weil er bei der Einführung der UN-Millenniumsziele, mit denen Armut, Hunger und Umweltverschmutzung bekämpft werden sollen, geschickt auftrat. "Mich interessiert der integrierende Ansatz. Um tragfähige globale Lösungen zu erzielen, brauchen wir den sichtbaren Diskurs mit Managern, Politikern und NGOs", sagt Christoffer Brick.

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