Ausbildung

Attraktive Programme für Trainees

B. Blass, J. Ohle
Christiane Konegen-Grenier warnt sogar vor allzu passiver Haltung: "Die Trainees dürfen nicht erwarten, immer ans Händchen genommen zu werden, sondern müssen sich selbst Aufgaben stellen können." Als künftige Führungskräfte sollen sie ihre Eigenständigkeit früh beweisen. Anita Ferenc jedenfalls wusste genau, was sie wollte: "Ich habe mir immer gewünscht, mal in Spanien zu arbeiten", erzählt die 32-Jährige, die von 2000 bis 2002 bei Nestlé das Supply-Chain-Trainee-Programm absolvierte. Obwohl der Auslandsaufenthalt damals noch nicht fest im Programm war, wurde ihr Wunsch erfüllt. Nach einiger Zeit in der Zentrale in Frankfurt arbeitet Anita Ferenc heute wieder in Barcelona. "Ich wollte es so", sagt die Einkäuferin für Rohstoffe. "Aber Mobilität und Flexibilität sind schon absolute Voraussetzung."Fünf Stationen in 16 Monaten durchläuft der durchschnittliche Trainee während seiner Ausbildung. Das bedeutet, alle drei Monate den Schalter umzulegen. Eine Portion Mut gehört schon dazu, wie Nicole Schoof - ebenfalls einst Trainee bei Nestlé - erfuhr. Auch sie wollte Auslandserfahrung sammeln. "Doch als mir angeboten wurde, in Frankreich zu arbeiten, war ich nicht sicher, ob ich das mit meinem Schulfranzösisch schaffen würde." Sie wagte den Sprung, und alles hat "wunderbar geklappt". Ihre Sprachkenntnisse sind jetzt so gut, dass die 27-Jährige am liebsten wieder in ein französischsprachiges Land ginge. Es sieht gut aus: "Ich stehe in Verhandlungen."So verlockend die Stationen eines Trainee-Programms auch klingen mögen - wer schon als Premium-Lehrling auf den schnellen Euro hofft, wird enttäuscht. Mit durchschnittlich 36.000 Euro müssen sich Trainees im ersten Jahr begnügen, Direkteinsteiger kommen auf 38.000. Nach Abschluss des Programms liegen Trainees bei 42.000 Euro. Erst drei Jahre später machen sie den Gehaltsvorsprung der Direkteinsteiger wett: Beide verdienen dann 50.000 Euro. Die Entscheidung zwischen Trainee-Programm und Direkteinstieg sollte ohnehin von anderen Faktoren als der Bezahlung abhängen: Wer - etwa wegen seiner Promotion oder Phasen der Berufstätigkeit - länger fürs Studium gebraucht hat, der ist mit einem Direkteinstieg besser beraten.

Rundum beschäftigt

Ob als Trainee oder im ersten Job - Schonzeiten gibt es für beide nicht. "Überdurchschnittliches Engagement ist Pflicht", weiß Thomas Friedenberger, Karriereberater beim Staufenbiel Institut für Studien- und Berufsplanung. So werde von Trainees selbstverständlich erwartet, Überstunden zu machen und neben ihrer regulären Arbeit noch andere Aufgaben zu übernehmen - beispielsweise als Ansprechpartner für Bewerber zur Verfügung zu stehen oder einen Vortrag vorzubereiten. Torsten Frahm engagiert sich im Trainee-Club der Bahn: "Wir organisieren für den akademischen Nachwuchs Kamingespräche und Exkursionen." Lohn der Mühe: Trainees werden Teil eines Netzwerks, das auch Bestand hat, wenn sie längst in ihrer Zielposition sind. Langfristig, so hoffen die Unternehmen, soll sich dadurch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Teams und Bereichen verbessern. Torsten Frahm wird das bald beweisen: Ab 1. April sorgt er dafür, dass Züge, Gleise und Personal zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sind. Dann ist Koordination pur gefragt.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.04.2005

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