Fach- und Führungskäfte

Arbeit in China: Uncle Hu wants you

Kirstin von Elm
Denn gute Kontakte - Guanxi - sind das wichtigste Gut im China-Geschäft. Das weiß auch Eugen-Carsten Rothermel. Der 37-jährige Rheinland-Pfälzer kam als Student in das Reich der Mitte, heute leitet der Diplom-Betriebswirt in Shanghai das wachsende China-Geschäft des holländischen Chemikalien-Händlers IMCD. Als er 2000 bei der Fernost Handels- und Beratungsgesellschaft in Schanghai einstieg, wollte er nur drei Jahre bleiben, doch dann warb ihn ein Kunde ab und seine Karriere verlief so gut, dass er blieb.Ohne Vitamin B läuft nichtsVom Praktikum bis zum Geschäftsführer-Posten hat Rothermel seine Stellen über sein persönliches Netzwerk gefunden. "Die Jobfluktuation ist hoch, drei Jahre auf demselben Posten gelten als lang", sagt Rothermel, der fließend Chinesisch sprich. "Beziehungen bei der Jobsuche einzusetzen, ist in Deutschland verpönt. Das riecht nach Vetternwirtschaft und Küngelei", sagt er. In China dagegen laufe ohne Vitamin B nichts.Kontakt knüpfen für die Karriere lässt sich zum Beispiel bei den Festen der deutschen Gemeinschaft - beim Karneval der Botschaft oder dem Weihnachtsmarkt der Außenhandelskammer. Bei Glühwein und Lebkuchen hat auch Florian Krauthoff seinen Chef kennengelernt. Nach seinem Abschluss in Wirtschaftschinesisch und Internationaler Unternehmensführung arbeitet der 26-Jährige seit August 2009 als Assistent des deutschen Geschäftsführers bei Ameco in Peking. Das Unternehmen von Air China und Lufthansa ist der größte Instandhaltungsbetrieb für Flugzeuge in China. "Der deutsche Arbeitsvertrag und die Rückkehr-Option waren mir sehr wichtig", sagt Florian Krauthoff. Gegen das Heimweh fliegt er zweimal jährlich nach Hause. "Nach einer Woche Deutschland weiß ich aber, dass ich zuhause nichts verpasse."Das sagen sich immer mehr entsandte Deutsche. Auch Eugen-Carsten Rothermel gehört zu denjenigen, die ihre Zukunft dauerhaft in der aufstrebenden Wirtschaftsnation sehen. Das ist für Christian Sommer nicht verwunderlich. Denn "gute Karrierechancen und sichere Arbeitsplätze gibt es in China ebenso wie in Deutschland", sagt der Jurist aus Kiel. Er leitet das German Center in Shanghai, das Mittelständlern den Weg in die Volksrepublik ebnet. Für Deutschland-Rückkehrer sei eine adäquate Position in der Zentrale aber nicht mehr garantiert.Der Trend zu bleiben wird auch beim Rundgang durch die deutsche Schule in Shanghai sichtbar: Nicht nur, dass sich die Schülerzahl in den letzten zehn Jahren von knapp 200 auf über 1 000 verfünffacht hat.

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