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Bewerbungsverfahren

So kommt man an die Uni

Alexandra Straush, Handelsblatt Karriere Abi
Mappe, Test, Gespräch & Co. – Einen Studienplatz zu erobern, ist harte Arbeit. Welche Bewerbungsverfahren Abiturienten durchlaufen müssen, um einen Platz im Hörsaal zu ergattern.
Aufnahmeprüfung und Eignungstest.

Die klassische Aufnahmeprüfung ist die Domäne der künstlerischen Fächer. Wer zum Beispiel Schauspiel oder Musik studieren möchte, arbeitet darauf hin, am alles entscheidenden Tag eine Kommission vom eigenen Können zu überzeugen. In anderen Fächern ist die Auswahl nicht ganz so hart. Aber auch hier haben sich Prüfungen vor Studienbeginn eingebürgert. Online-Tests, in denen man im Rahmen des Zulassungsverfahrens sein Allgemeinwissen wie sein fachliches Können beweisen muss, sind mittlerweile in vielen Hochschulen gang und gäbe. Geprüft wird, wie gut die Bewerber komplexe Texte oder Diagramme auswerten können.

An einigen medizinischen und zahnmedizinischen Fakultäten bringt die Teilnahme am Medizinertest Pluspunkte: Die Prüfung ist nicht verpflichtend, ein gutes Testergebnis kann aber eine schlechtere Abiturnote ausgleichen.

Auswahlgespräch.

Auswahlgespräche sind keine mündlichen Prüfungen. Meist geht es darum, etwas über die Persönlichkeit und Motivation des Bewerbers zuerfahren. „Uns interessiert: Sind die Leute weltoffen, sind sie flexibel und haben sie sich selbst geprüft“, sagt zum Beispiel Theo Dingermann. Er ist Professor für Pharmazie in Frankfurt. Ob ein Student zur Hochschule passt, prüft zum Beispiel die European Business School in Oestrich-Winkel in Form eines Eignungstests, dem sogenannten Assessment-Center. Auch dahinter verbirgt sich ein Gespräch von 50Minuten Länge, das immer nach denselben Regeln abläuft.

Geschulte Interviewer halten dabei fest, wie die Kandidaten auf bestimmte Fragen reagieren oder stellen kleine Aufgaben. Das Auswahlgespräch spielt für die Zulassung eine große Rolle, sagt Gerda Niemann, Associate Dean Academic Services: „Es kann selbst bei exzellenten fachlichen Leistungen zum K.o.-Kriterium werden.“ Assessment-Center sind bei der Vergabe von Studienplätzen – neben Online-Tests immer stärker im Kommen, insbesondere bei privaten Hochschulen.

Bewerbung beim Unternehmen.

Die Datenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung erfasst bundesweit 910 Duale Studiengänge an Akademien, Fachhochschulen und Universitäten. Abiturienten, die sich für eine solche Ausbildung deluxe interessieren, bewerben sich aber nicht an einer Hochschule direkt, sondern bei demjenigen Unternehmen, in dem sie parallel eine Berufsausbildung abschließen wollen. Die Firmen erwarten von Kandidaten Anschreiben, Zeugnisse und Lebenslauf wie bei einer klassischen Bewerbung.

Der Arbeitgeber führt mit den Aspiranten für das duale Studium ein Gespräch wie vor einer regulären Einstellung, manche setzen darüber hinaus auch Assessment-Center ein. Der Auswahlprozess startet etwa ein Jahr bevor Studium und Ausbildung losgehen.

Mappe.

Wer ein künstlerisches oder gestaltendes Fach studieren will, fängt in der Regel nicht bei null an. Es gibt bereits eigene Arbeiten wie Fotos, Zeichnungen oder einen selbst gedrehten Film. Diese Beweise für die kreative Begabung wollen die Hochschulen sehen. "Wir prüfen: Was hat jemand gesehen, wie hat er es gesehen und formuliert er damit etwas?" sagt zum Beispiel Gisela Bullacher, Professorin für Fotografie an der Essener Folkwang Universität der Künste. Zwar kommt es auch darauf an, die Formalie von 25 Fotos in einer Mappe zu erfüllen. Wichtiger ist jedoch deren Auswahl, denn die Konkurrenz ist hart. Im Essener Studiengang kommen mehrere hundert Bewerber auf einige Dutzend Plätze.

Bullacher empfiehlt, sich ein halbes Jahr vor der Abgabefrist beraten zu lassen. So bekommen Bewerber Feedback zu ihren Arbeiten und Anregungen, wie sie ihre Mappe verbessern können.

Motivationsschreiben.

Die Hochschulen wollen Studenten finden, die es ernst meinen. Deshalb fordern sie Motivationsschreiben ein, in denen ein Abiturient erklären muss, warum er sich gerade für dieses Fach einschreiben möchte. Ähnlich wie beim Anschreiben zu einer Bewerbung gilt hier: Auf die geschickte Argumentation kommt es an. Wenn Ferienjob, Praktika oder private Interessen zum Fach passen, verbessert das die Chancen. Thomas Bonenberger, Verwaltungsleiter der Wiwi-Fakultät an der Uni Tübingen, rät, authentisch zu bleiben: "Es gibt inzwischen einen Internetmarkt für Motivationsschreiben. Deshalb prüfen wir im Auswahlgespräch genau, ob jemand nur kopiert hat."

Numerus Clausus.

Bei der Studentenauswahl setzen die meisten Hochschulen nach wie vor auf den Numerus clausus, kurz NC. Übersetzt heißt das „geschlossene Anzahl“ und beschreibt ein Verfahren, bei dem die Bewerber auf einer Rangliste eingeordnet werden. An einem Punkt der Liste, der Auswahlgrenze, verläuft der Schnitt zwischen denen, die einen Platz bekommen, und denen, die leer ausgehen. Die Ranglisten werden häufig anhand des Abiturnotendurchschnitts erstellt, es können aber auch die Wartezeit oder andere Kriterien einfließen. Wichtig zu wissen: Der NC entsteht jedes Semester neu durch das Verhältnis von Studienplatzangebot und -nachfrage. Deshalb nicht von einem hohen NC aus dem letzten Semester entmutigen lassen. Dennoch sollte man realistisch sein: Wer zum Beispiel in Mannheim BWL studieren will, braucht einen Abischnitt von deutlich unter zwei. Ob die Grenze dann in einem Jahr mal bei 1,3 oder 1,5 gemacht wird, muss einen Zweinuller-Kandidaten nicht groß kümmern. Er bewirbt sich besser gleich bei einer anderen Uni. Denn: Der NC für ein Fach variiert von Hochschule zu Hochschule.


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