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Wechsel ins Ausland: Vertrag prüfen wegen Altersvorsorge
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Spätfolgen durch Auslandsjob

Probleme mit der Altersvorsorge

Nora Schareika, wiwo.de
Berufserfahrung im Ausland gehört in vielen Branchen zum guten Ton. Doch Arbeitnehmer dürfen dabei ihre betriebliche Altersvorsorge nicht vergessen – hier droht die Auslandsfalle.
Für die Karriere machen sich Auslandsaufenthalte im Lebenslauf gut, und kaum jemand bereut diese Erfahrungen auch für sich persönlich. Digitalisierung und immer verbreitetere New-Work-Konzepte verstärken den Trend.

Arbeiten ist rund um den Erdball möglich, solange nur die Internetverbindung stimmt. In vielen Branchen ist es derweil schon seit langem üblich, dass Fach- und Führungskräfte für ein paar Jahre nach China, Südafrika oder in die USA geschickt werden – oftmals zu Tochterfirmen aus dem eigenen Unternehmenskomplex.

Was bei all diesen atemberaubenden Möglichkeiten gerade jüngere Arbeitnehmer oft aus dem Blick lassen, ist ihre betriebliche Altersvorsorge. Vor einer Auslandsentsendung sollte der Entsendevertrag genau geprüft werden, sagt Alexander Haasler, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der auf Führungskräfte spezialisierten Berliner Kanzlei Abeln. Sonst drohe die "Auslandsfalle".

Entsendungsvertrag genau prüfen

Das Thema ist in dem Moment der frohen Botschaft einer neuen Herausforderung oder sogar Beförderung mit Auslandsaufenthalt natürlich eine Spaßbremse. Gerade deshalb warnt Haasler davor, bei der betrieblichen Altersvorsorge nicht genau hinzuschauen. "Fällt die Betriebsrente wegen Vertragsfehlern weg oder wird stark geschmälert, kann man ganz schnell auf einen Rentenbetrag rutschen, der knapp über der Armutsgrenze liegt."

Der häufigste Fehler sei, ins Ausland zu gehen, ohne vorher die Weiterzahlung der Altersvorsorge schriftlich geregelt zu haben. Die Zeit fehle dann am Ende und das könnten bei Erreichen des Rentenalters einige Hundert Euro pro Monat sein.

"Ich kenne viele Fälle, auch bei erfahrenen Führungskräften mit 20 Jahren Betriebszugehörigkeit oder länger. Sie machen jahrelang ihre Arbeit im Ausland und denken, das wird schon alles richtig sein, was ich mit meinem Arbeitgeber im Entsendungsvertrag verhandelt habe. Dann kommen sie wieder, sind 63 oder 65 Jahre alt, beantragen die Betriebsrente – und dann heißt es 'Nö'. Oder sie erhalten nur ein Viertel des erwarteten Betrags."

Mündliche Zusicherungen zählen nicht

Besonders tragisch endete der Fall eines Mannes aus Pforzheim, der sich bis zum Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg (Az.: 4 Sa 31/17) klagte, um seine Altersversorgung zurückzukriegen – vergeblich. Das Problem war hier noch einmal komplizierter. Der Mann hatte nämlich zum Zeitpunkt der Entsendung noch nicht die Wartezeit für seine Betriebsrente beendet. Die sollte erst nach zehn Jahren unverfallbar werden – und verfiel mangels schriftlicher Fixierung im Entsendevertrag.

Der Manager, der heute 53 Jahre alt ist, arbeitete von 1990 bis 1996 bei einer zu einer GmbH gehörenden Vertriebsgesellschaft in Pforzheim. 1996 ergab sich die Chance, für zehn Jahre in die USA zu gehen und dort als Geschäftsführer ein Tochterunternehmen aufzubauen. Dafür schloss der damals 31-Jährige einen Rahmenvertrag mit der Konzernmuttergesellschaft.

Die Bedingungen stimmten auf den ersten Blick: 5000 US-Dollar Monatsgehalt zuzüglich Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Umsatztantiemen nach jedem Quartal. Auch die Ehefrau bekam eine Stelle als kaufmännische Mitarbeiterin. Bei seiner betrieblichen Altersvorsorge, die eine Extraleistung des Arbeitgebers war, verließ sich der Angestellte indes auf eine mündliche Zusage: Es würden ihm keine Nachteile entstehen, sei ihm versichert worden.

Vorsicht: Ende des Arbeitsvertrags in Deutschland bei Wechsel ins Ausland


Dieses Vertrauen erwies sich mehr als zwanzig Jahre später als schwerer Fehler. "Hätte der Mitarbeiter schriftlich festhalten lassen, dass seine Anwartschaft auf Betriebsrente unverfallbar geworden war, hätte es kein Problem gegeben", erklärt Anwalt Haasler. Dann hätte es auch keine Rolle gespielt, wer diese Zusage machte.

Im späteren Prozessverlauf vor dem Arbeitsgericht Pforzheim und vor dem Landesarbeitsgericht war dies ebenso entscheidend wie die Tatsache, dass die beklagte Firma von sich wies, jemals eine mündliche Zusage gemacht zu haben. Das Gericht hielt fest, dass die gut sechs Jahre bei der ersten Firma eben nicht zu einer Unverfallbarkeit der Betriebsrente gereicht hätten.

Der Arbeitsvertrag bei der deutschen Firma endete mit der Auslandsentsendung, was dem Mitarbeiter damals aber nicht klar war. Er ging davon aus, weiterhin bei seinem Unternehmen beschäftigt zu sein – der zweite häufige Fehler. "Es ist ein generelles Problem, das nicht nur Führungskräfte betrifft", sagt Alexander Haasler.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 11.06.2018