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Feedback

Wissen Sie, wer gesucht wird?

G. Winkler, B. Thomys
Wenn Personaler Kandidaten um ein Feedback bitten, wollen sie das Auswahlverfahren verbessern. Doch für Bewerber gilt das Prinzip der Nichteinmischung. Halten Sie sich mit Kritik zurück. Nutzen Sie lieber Ihre Chance und zeigen Sie, dass Sie verstanden haben, wer gesucht wird.
Das Feedback darf ruhig blumig ausfallenFoto: © Nicola Schaller
Der Beamer war noch nicht erkaltet, da wurden die ausgepowerten Teilnehmer am Ende des Assessment-Centers auch schon befragt, wie sie das Prozedere empfunden hatten. Nach einem Vorstellungsgespräch forderte eine Personalerin den Bewerber auf, innerhalb einer Woche ein Feedback zu mailen. Er solle seinen Eindruck in Worte fassen und sagen, ob er sich vorstellen könne, für die Firma zu arbeiten.Hinter dieser Bitte steckt mehr als die berechtigte Frage, ob der Jobkandidat weitermachen möchte. Rekrutierer mögen Bewerber als Kunden ihres Auswahlverfahrens ansehen und im Zuge eines ständigen Qualitätsmanagements auch deren Rückmeldung einholen. Bewerber wollen jedoch Jobs. Ihr Interesse, als Versuchskaninchen die Personalakquisition einer Firma zu optimieren, geht gegen null. Im Grunde steckt auch in der Personaler-Bitte die Frage: "Na, wie war ich?"

Die besten Jobs von allen

In Ihrer Replik als Kandidat werfen Sie aber bitte nicht die vielleicht naheliegende Frage auf, wie viel an eitler Selbstbezogenheit in so einer Bitte um Manöverkritik steckt. Sie werden auch nicht erwähnen, dass Sie manche Aufgaben als unklar formuliert, die Wartezeiten als insgesamt zu lang und die unmotivierten Zwischenfragen bei Ihrem Vortrag als doch etwas störend empfunden haben. Solange der Bewerbungsprozess läuft, gilt das Prinzip der Nichteinmischung: Der Job eines Bewerbers besteht nicht darin, das Verhalten oder das Verfahren zu kommentieren.Egal, wer unmittelbar nach einem Auswahlgespräch die Bitte um Feedback äußert, er zeigt damit eine Schwäche. Sie selbst geben sich keine Blöße. Falls die Gesprächspartner nachfragen, dann geben Sie ihnen eben den verlangten Applaus. Loben Sie en gros und en detail, bis die Tulpen im Tischgesteck erröten.Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater und Buchautor. Auf seiner Webseite schreibt er über Bewerbungsstress und Selbstvermarktung. www.jova-nova.comWas Personaler nervt"Im Anschluss an Bewerbertage führen wir Gesprächsrunden durch und fordern sowohl anonymisiertes als auch persönliches Feedback per Fragebogen ein. Grundsätzlich freuen wir uns über konstruktive Kritik, sofern sie respektvoll vorgetragen wird. Den Verbesserungsvorschlag, 'Ich fände es gut, wenn die Kandidaten zu Recruitingveranstaltungen bereits am Vortag anreisen, um mit den Mitarbeitern aktives Networking zu betreiben', konnten wir bereits erfolgreich umsetzen. Minuspunkte sammelt, wer nur seine Stimmung wiedergibt, nach dem Motto: ,Das finde ich blöd'. Damit können wir gar nichts anfangen. Nach Einzelgesprächen fordern wir keine explizite Rückmeldung ein. Inzwischen ist es aber recht verbreitet, dass die Bewerber eine E-Mail schicken, um sich zu bedanken und Fragen zu stellen, die offen noch geblieben sind. Das finde ich eine nette Geste. Meine Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten beeinflusst sie allerdings nicht. Das schönste Kompliment macht uns, wer das Unternehmen anderen empfiehlt."Britta Thomys, Personalmarketing & Recruiting, PriceWaterhouse Coopers. Mitarbeiter weltweit: 146000; Deutschland: 8390, Bewerbungen pro Jahr (Bewerbungen und Einstellungen 2007 in Deutschland): 28000, Neueinstellungen: 1200 Hochschulabsolventen, 300 ProfessionalsNicht mäkeln: 7 Feedback-Regeln1. Die Feedback-Phase beginnt am Ende des Jobinterviews. Selbst wenn das Gespräch dumm gelaufen ist, danken Sie beim Abschied kurz: für die anregenden Fragen, für die tiefgehenden Informationen, für die aufgezeigte Perspektive.2. Schreiben Sie innerhalb von 24 Stunden eine Mail an alle Gesprächspartner. Der Betreff "Feedback" macht neugierig. Noch besser: Sie setzen die künftige Hauptaufgabe als Betreff: "Analyse Ihres Produktionsprozesses im Werk L.".3. Falls Sie nicht weiter interessiert sind: Danken Sie noch mal und sagen Sie mit einem Wort des Bedauerns ab. Eine gute Begründung ist zwar schön, aber bevor Sie unhöflich werden ("Deshalb habe ich mich für ein attraktiveres Angebot bei einem führenden..."), ersparen Sie allen Beteiligten Ihre Erklärungen.4. Wenn Sie weiter interessiert sind: Bringen Sie die Aufgaben auf den Punkt.5. Bekräftigen Sie, dass Sie den Job meistern werden und sehr interessiert daran sind. Ihre Kompetenz haben Sie bereits dargelegt. Strahlen Sie jetzt die Zuversicht des jungen Athleten aus, der in den Startlöchern sitzt.6. Falls Sie nicht alles gesagt haben: Nennen Sie die noch nicht vorgebrachten Argumente. Hüten Sie sich vor Bedingungen oder Einschränkungen, mäkeln Sie nicht an Konditionen herum. Verhandelt wird nur im direkten Gespräch.7. Eine halbe DIN-A4-Seite reicht aus.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.07.2008