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Karriere

So bewerben Sie sich beim Headhunter

Britta Domke
Das Klischee vom Headhunter geht so: "Die suchen doch nur Führungskräfte" - "Unter 80.000 Euro im Jahr ist man für die nicht interessant" - "Sich selbst zu bewerben, kommt gar nicht gut". Alles falsch. Junge Karriere sagt, wie Sie das Visier des Jägers auf sich richten.
Initiative ergreifen: Sich selbst ins Visier der Headhunter rückenFoto: © MOKreations - Fotolia.com
Marco Keller* ist nicht der Typ, der bei einer Bewerbung Berührungsängste hat. Er hat Freunde angesprochen, ob sie nicht von einer freien Stelle wüssten. Hat für Unternehmen unbezahlt Projekte entworfen. Und er hat sich bei einem Headhunter beworben. Was zunächst wie verkehrte Welt klingt - sind es nicht die Headhunter, die potenzielle Kandidaten ansprechen? -, ist heute ganz normal in der Branche, deren Vertreter sich selbst lieber als "Personalberater" oder gar "Executive Search Berater" bezeichnen.
Der hochtrabende Begriff verschleiert, was viele Jobsucher längst wissen: Personalberater suchen keineswegs nur Executives, also Top-Führungskräfte. Auch Spezialisten ohne Führungsverantwortung stehen mitunter auf ihrer Auftragsliste.
Marco Keller zum Beispiel verdiente als Telekommunikationsexperte gerade mal 50.000 Euro im Jahr. Für den Headhunter seiner Wahl, die Personalberatung Weiser, Kuck & Comp., war der Betriebswirt trotzdem interessant: "Zuerst wollten sie nur einen kurzen Lebenslauf von mir", erzählt Keller, "aber dann sollte ich alle Unterlagen komplett mit Zeugnissen schicken." Ein paar Tage später baten die Berater ihn um ein Kennenlerngespräch; kurz darauf wurde er von einer Telefongesellschaft zum Vorstellungsgespräch eingeladen."Ich sehe nur Vorteile in einer Initiativbewerbung beim Headhunter"Dass letztlich doch nichts aus der Stelle wurde, hat seine gute Meinung von der Branche nicht erschüttert: "Ich sehe nur Vorteile in einer Initiativbewerbung beim Headhunter. Vor allem, weil ich hier Kontakte nutzen kann, an die ich sonst nicht herankäme", sagt der 38-Jährige. "Ich hätte auch nichts dagegen, von denen wieder kontaktiert zu werden." Die Chancen für ihn stehen gut: Mehr als 70.000 offene Stellen werden jedes Jahr mit Hilfe der deutschen Personalberatungen besetzt - die meisten von ihnen im verarbeitenden Gewerbe, bei den Finanzdienstleistern und in der IT- und Telekommunikationsbranche. Für 2007 erwarten die Personalberatungen sogar einen neuen Umsatzrekord.Bei Bewerbern hat sich ihr Job-Potenzial herumgesprochen: Rund 4.000 unaufgeforderte Bewerbungen pro Jahr gehen etwa bei Kienbaum Executive Consultants ein, schätzt Vice President Wolfgang Lichius. Auch bei Delta Management Consultants wächst die Zahl der Initiativbewerbungen rasant: "Vor fünf Jahren haben wir etwa zehn pro Woche bekommen; jetzt sind es schon 40", sagt Stefan Koop, geschäftsführender Gesellschafter. Während es in den Boomjahren 1999 bis 2001 "eher die Loser" gewesen seien, die sich bewarben, so sei heute "viel hohe Qualität" dabei, lobt Koop.Mit Absolventen frisch von der Uni können jedoch nicht alle Headhunter etwas anfangen. Nur ganz selten habe er mal eine Einstiegsposition zu besetzen, berichtet Thomas Briol, Gesellschafter der Baumann Unternehmensberatung. "Die sind bei allen großen Personalberatungen prozentual zu vernachlässigen - außer, jemand hat etwas ganz Spezielles, Seltenes studiert."
Wer dennoch als Absolvent sein Glück versuchen möchte, klopft besser bei den kleineren, auf bestimmte Branchen spezialisierten Headhuntern an. "Wir vermitteln alle Levels, auch Hochschulabsolventen", betont Elka Sloan, die das Deutschland-Büro von Intelligent Resources leitet, einer auf Informationswesen und Wissensmanagement spezialisierten Personalberatung.
Eine Führungsfunktion ist hilfreichUm sich auch für die großen Headhunter interessant zu machen, brauchen Bewerber mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung und eine gefragte berufliche Spezialisierung. Eine Führungsfunktion ist hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig. Besonders begehrt: Experten für Marketing und Vertrieb. 31,7 Prozent aller Suchaufträge, die Unternehmen 2005 an Personalberatungen vergaben, betrafen diese Berufsgruppe, gefolgt von Unternehmensleitung mit 20,4, Entwicklung/Produktion mit 13,5 und Finanzen/Controlling/Rechnungswesen mit 10,9 Prozent. Das hat der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) in seiner Personalberater-Studie herausgefunden.
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Anne Koschik, Bewerbungs-Expertin bei karriere.de

Wer sich auf die Suche nach einem Headhunter begibt, hat in Deutschland die Wahl zwischen rund 1.800 Personalberatungen. Gut drei Viertel zählen zu den Kleinen der Branche, oft nur geführt von einem Einzelkämpfer. Statt sich blind zu bewerben, sollten Jobsucher deshalb zunächst abklären, welcher Berater auf ihre Branche spezialisiert ist. Ulrich Schröder, Inhaber der Personalberatung Nice Consult, hat schon so manche Fehlbewerbung erlebt: "Ich mache sehr viel im Bankenumfeld. Wenn sich Techniker oder Ingenieure bei mir bewerben, passt das einfach nicht."