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Deloitte

Schwitzen für den lukrativen Arbeitsvertrag

Astrid Dörner
Unlösbare Aufgaben und ständige Beobachtung - über Recruiting Events gibt es viele Gerüchte. Redakteurin Astrid Dörner hat ein Fallstudienseminar bei Deloitte Consulting mitgemacht und die Berater gefragt, wie man punkten kann und was man besser sein lässt.
Hier herrscht angespannte Assessment-Center-StimmungFoto: © Jan Kruse-humanempire
Ich fühle mich ein bisschen wie auf einer Abi-Fahrt: Schon zum dritten Mal schmeiße ich mich in den Sand, dem Volleyball hinterher. Mit mir spielt ein ganzes Rudel junger Leute unter der Abendsonne Mallorcas. Einige haben schon aufgescheuerte Knie, anderen sieht man an, dass sie schon lange keinen Ball mehr in der Hand hatten. "Olli, du hast den Killer-Aufschlag!", ruft mein Nebenmann und ich klatsche zum Anfeuern in die Hände. Die, die gerade aussetzen müssen, machen Fotos, zählen die Punkte, trinken Dosenbier. Unsere weißen T-Shirts mit dem blauen Aufdruck verraten, dass wir zusammengehören.Was auf den ersten Blick aussieht wie Urlaub, ist in Wahrheit ein Bewerbungs-Marathon - und das Volleyballturnier die Aufwärmübung. Das Gros der Gruppe sind Studenten, die auf dem Volleyballplatz eines mallorquinischen Luxushotels nicht nur um Punkte kämpfen, sondern auch um lukrative Arbeitsverträge bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte. Die fünf mitgereisten Unternehmensberater wollen in drei Tagen herausfinden, welche der Studenten zu ihnen passen - fachlich und auch persönlich. Dazu müssen die potenziellen Nachwuchsberater nicht nur beim Volleyballspielen, sondern auch in Einzelgesprächen, bei Fallstudien und beim Paella-Kochkurs bestehen. Doch wie fühlt es sich an, drei Tage lang unter Beobachtung zu sein? Und worauf achten die Berater? Junge Karriere-Redakteurin Astrid Dörner hat das Recruiting-Seminar mitgemacht und danach mit den Beratern darüber gesprochen, was ihnen positiv und negativ auffällt.

Die besten Jobs von allen

"Ihr müsst nicht denken, dass wir euch hier die ganze Zeit beobachten", sagt Partner Rolf Epstein, bevor es aufs Volleyballfeld geht. "Wir wollen zwar hart mit euch arbeiten, aber wir wollen auch Spaß haben." Er spricht langsam, mit eindringlicher Stimme. So, als wolle er sichergehen, dass ihm das auch alle glauben - mit Erfolg. Zusammen mit dem Volleyballspiel vertreiben seine Worte den letzten Rest der angespannten Assessment-Center-Stimmung. Stattdessen kommt eine freundliche, fast kumpelhafte Atmosphäre auf. Epstein und seine Kollegen sind so entspannt, gut gelaunt und an der Gruppe interessiert, dass ich den Eindruck habe, ich würde sie schon lange kennen. Zu keiner Zeit kommt das unangenehme Gefühl auf, sie würden uns beobachten und heimlich Notizen machen. Doch wie sich drei Tage später herausstellt, bekommen sie trotzdem alles mit.Abends beim Barbecue erzähle ich Beraterin Stefanie - wir sind jetzt alle per Du - von einer Aufgabe, die ich im Einzelgespräch mit ihrem Kollegen Nicolai nicht lösen konnte. Ohne zu überlegen, füge ich noch hinzu, dass ich mich deshalb ziemlich über mich geärgert habe und immer noch nach einem anderen Lösungsweg suche. Zwei Tage später, beim Abschlussgespräch mit Nicolai, bekomme ich die Quittung dafür: Er befürchtet, ich sei zu verbissen und hätte Probleme, abends auch mal abzuschalten. Ich bin erstaunt. Zum einen, weil es zutrifft. Zum anderen, weil ich mir nicht erklären kann, wie er das in drei Tagen herausgefunden hat. Auf die Frage, wie er darauf kommt, nennt er das Barbecue-Gespräch, von dem ihm Stefanie erzählt hat. Auf einmal habe ich wieder Rolfs Worte im Ohr und fühle mich irgendwie hintergangen. Meinem Mitbewerber Armin* geht es ähnlich. Auch er wird abends getestet, weil er auf den ersten Blick eher verschlossen und stoffelig wirkt. Kann er sich auch über Dinge unterhalten, die nicht mit der Arbeit zu tun haben? Hat er etwas zu erzählen? Macht es Spaß, sich mit ihm zu unterhalten? Im Vergleich zu mir schneidet er allerdings besser ab, erzählt von seinen Auslandsreisen und kommt Tag für Tag mehr aus sich heraus.Doch auch die Berater punkten bei den Studenten. Nicolai Andersen schwärmt von den flexiblen Arbeitszeiten, die es ihm erlauben, mindestens zwei Mal in der Woche abends um halb sechs das Büro zu verlassen und seine kleine Tochter ins Bett zu bringen. Partner Rolf Epstein erläutert die Arbeitsphilosophie der Beratung: Die Woche hat in der Regel 60 Stunden. Das Wochenende ist frei. Anders als viele Wettbewerber wolle Deloitte seine Leute nicht verheizen. Und das bei vielen Unternehmensberatungen geltende Prinzip, binnen kurzer Zeit entweder aufzusteigen oder die Firma zu verlassen, gelte bei Deloitte nur in abgeschwächter Form. "Wenn wir sehen, dass sich jemand länger nicht weiterentwickelt hat, dann schauen wir, welche Schulungen ihm helfen könnten oder welche Stelle in der Wirtschaft ihm liegen würde. Wir setzen keinen sofort auf die Straße", sagt Epstein.