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Anonyme Bewerbung
Anonyme Bewerbung

Schicken Sie uns bitte kein Bild!

Daniela Singhal
Name, Alter, Herkunft, Familienstand: In der anonymen Bewerbung steht nichts davon. Ein neues Buch feiert ihren Erfolg. Doch viele Unternehmen sind skeptischer denn je.
Natalie Mankoleyio hat Wurzeln in Kenia, dunkle Locken, braune Augen und ein charmantes Lächeln. Gesehen hat das in ihren Bewerbungsunterlagen für das Münchener Start-up Mydays aber niemand. Bewerbungsfoto? Bloß nicht! Name? Unwichtig. Alter? Spielt keine Rolle. Geschlecht? Ebenso. Verheiratet, ledig? Egal.

"Ich fand es spannend und bemerkenswert, dass sich ein Unternehmen nach außen hin mit seinen Ausschreibungen offen gegen Diskriminierung positioniert", sagt die 30-Jährige. Auch wenn es sich im ersten Moment merkwürdig anfühlte das nicht anzugeben. Mankoleyio ist heute Personalchefin des Geschenke-Start-ups. Ihr Job war einer von fünf, den die Firma in einem Pilotprojekt anonym ausgeschrieben hat.

Geteilte Wahrnehmung

"Bitte schicken Sie uns keine Zeugnisse oder Arbeitsnachweise" – mit diesem Hinweis haben fünf Unternehmen und drei öffentliche Arbeitgeber ein Jahr lang Stellen ausgeschrieben. Das Ziel des bundesweiten Projekts: weniger diskriminieren und fairer rekrutieren. 246 Stellen wurden so besetzt.

Das von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) finanzierte Projekt wird in einem gerade erschienenen Buch gefeiert. Nur: Wirtschaftsverbände und etliche Personaler haben sich davon bisher nicht überzeugen lasen. Im Gegenteil: Selbst einige der Vorreiter-Unternehmen rücken von der anonymen Bewerbung wieder ab.

Weniger Diskriminierung

Dabei versprechen sich Experten so viel davon. "Ohne personenbezogene Daten wird deutlich weniger diskriminiert", sagt Ulf Rinne vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA), welches das Pilotprojekt evaluiert hat. Vor allem Migranten und junge Frauen hätten im anonymen Verfahren größere Chancen genommen zu werden als bei einer herkömmlichen Bewerbung.

Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, ist überzeugt: "Die Unternehmen können sich mit dem anonymen Verfahren neue Bewerbergruppen erschließen." Sie reist im Moment durch die Republik, will Firmen und öffentliche Arbeitgeber von dem Verfahren überzeugen.

Ihre Mission: Eine neue Bewerbungskultur in Deutschland. Sie erklärt, warum sich das Verfahren für die Unternehmen lohnt: dass die Belegschaft vielfältiger und Mitarbeiter besser auf den Job passen würden, dass die Qualifikation in den Vordergrund rücke und sich das Image des Unternehmens verbessere. Sie spricht von einem Gewinn für alle.