Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
"Université Total"

Recruiting: Ölkonzern Total lädt Studenten ein

Christoph Mohr
Kaum eine Studentenveranstaltung ist so international wie die Summer School des französischen Ölkonzerns Total. Wer will, kann dort auch seinen potenziellen Arbeitgeber beschnuppern. Junge Karriere war dabei.
Die Summer School fand in der Nähe von Paris stattFoto: © Marco Bonan - Fotolia.com
Auch Öl-Multis haben Recruiting-Probleme. Diese Erfahrung muss seit einiger Zeit der französische Mineralölkonzern Total machen. Und erfand mit seiner Summer School eine originelle Antwort.
Total ist in Frankreich nicht irgendwer. Das Unternehmen, in Deutschland nur als Tankstellenmarke und durch die skandalumwitterte Übernahme der ostdeutschen Leuna-Raffinerie bekannt, wurde nach der Fusion mit Elf Aquitaine im Jahre 2000 zum größten französischen Industriekonzern. Und mit 95.000 Mitarbeitern in 130 Ländern ist Total auch einer der wenigen wirklichen multinationalen Konzerne in Frankreich.
"Wenn früher ein afrikanischer Potentat nach Paris kam", berichtet wehmütig ein Insider, "dann wollte er den Staatspräsidenten sehen, dann den Chef von Elf Aquitaine und dann den Entwicklungshilfeminister - in dieser Reihenfolge." Diese Zeiten sind vorbei; nicht jeder bedauert das. Schlimmer noch für Total: "Heute gehen selbst manche guten Ingenieure lieber zu den großen Banken", beklagt ein Personaler. "Die zahlen besser". 
Da musste eine Lösung her, die nicht gleich nach Recruiting-Event riecht. Die Idee einer Summer School, die Studenten der besten Universitäten aus aller Welt um das Thema Öl, Gas und Energie zusammenbringt, war geboren. "Es gab für uns eigentlich kein Vorbild", sagt Nathalie Fokart, die Direktorin der "Université Total". Die "Gourami Business Challenge", die Konkurrenzveranstaltung des Wettbewerbers Shell, ist ein fünftägiges Planspiel, das den teilnehmenden Studenten die Grundlagen des Energiegeschäfts vermitteln soll.

Die besten Jobs von allen

Nach einem Testdurchlauf im vergangenen Jahr hat Total in diesem Jahr gut 100 Studenten aus aller Welt in die Nähe von Paris eingeladen. Und was die Internationalität der Teilnehmer anbelangt, ist diese Veranstaltung derzeit weltweit wohl einzigartig.Natürlich ist es mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich, dass Top-Unternehmen wie McKinsey, BCG und Co. Studenten aus mehreren Ländern zu einem mehr oder minder getarnten Assessment-Center ins Ausland einladen. Aber Orte, an denen nicht nur Studenten aus Deutschland und Frankreich, und den USA, sondern auch aus China und Indonesien, Indien, Russland und Südafrika, ja sogar Nigeria, Angola und Iran zusammenkommen, gibt es sonst nicht.
"Dieses Zusammenleben mit Top-Studenten aus unterschiedlichen Nationen und die lockeren, offenen Gespräche haben mir besonders gefallen", sagt WHU-Studentin Kaina Schaefer. Dabei ging es nicht nur um Öl. Globale Kommunikation einmal anders, wenn eine Studentin aus Angola einen Chinesen über Pekings Taiwan-Politik "grillt"... 
Außer an Geld sparte das Unternehmen auch nicht an Top-Managern: Neben dem Personalvorstand Jean-Jacques Guilbaud, dem Forschungschef Francois Minster kam auch Total-Vorstandschef Christophe de Margerie. Für den Total-Boss nicht unbedingt ein Schwanenritt, zielten die Fragen des Publikums doch weniger auf die Job-Perspektiven bei Total als vielmehr auf Klimawandel, Umweltzerstörung und Korruption. "Ich fand dabei gut, dass die Referenten auch unpopuläre Antworten gegeben haben", schildert Oliver Hirschfeld, Verfahrenstechnik-Absolvent der TU Bergakademie Freiberg seine Eindrücke.
Offenkundig eine Erfolgsformel. Neuauflage im nächsten Jahr.
www.universite.total.com
Dieser Artikel ist erschienen am 01.10.2007