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Raketenstart in den Job
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Vorauswahl für Gründer

Raketenstart nach dem Consulting

Stefani Hergert
Vor allem in der Internetbranche ziehen etliche Ex-Berater Start-ups hoch. Sind die einstigen Firmenoptimierer etwa die besseren Gründer?
Eigentlich müssten sich Moritz Werner und Josef Biller in- und auswendig kennen. Sie haben zusammen studiert, in der gleichen Beratung angefangen, sind gemeinsam für einen Managementmaster an eine Uni zurückgekehrt und haben als Duo 21Diamonds, einen Onlineshop für Schmuck, eröffnet.

Und doch sitzen sie an diesem Herbsttag in ihrem Start-up-Büro in München und lernen sich ein Stück weit neu kennen. "Du hinterfragst viel mehr Sachen als ich", sagt Biller erstaunt zu seinem Mitgründer, nachdem der erklärt hat, welche Methoden aus seiner Zeit als Unternehmensberater ihm heute noch helfen.

"Mich nervt es, wenn Entscheidungen nicht schnell genug getroffen werden", sagt Biller. "Stimmt", sagt Werner, "ich will vorher beweisen, dass es die richtige Entscheidung ist." Lachen erfüllt den Raum.

Penible Analyse

Vielleicht liegt es daran, dass Unternehmersohn Biller nach einem Jahr als Berater bei der Boston Consulting Group (BCG) wieder ausgestiegen ist, Moritz Werner aber sechs Jahre blieb. Denn gerade die penible Analyse ist ja eines der Markenzeichen der Berater.

Die beiden sind ein ungleiches, aber dennoch ein typisches Gründerduo in der Internetbranche. Denn eine ganze Riege einstiger Firmenoptimierer von BCG, McKinsey, Bain & Company oder Roland Berger haben hier Start-ups gegründet.

Auch wenn es keine Statistiken gibt: Dass aus so vielen Beratern Gründer wurden, fällt auf. Deutschlands Seriengründer Oliver Samwer etwa schwört auf sie, wenn er Unternehmer für die von ihm finanzierten Start-ups sucht. Sind Unternehmensberater also die besseren Gründer?

Große Namen

Wer mit Oliver Samwer spricht, dem bekanntesten der drei Samwer-Brüder, die mit Gründungen wie dem Klingeltonanbieter Jamba und dem Ebay-Klon Alando Millionen verdient haben und jetzt als Seriengründer Start-up-Geschichte schreiben, der vernimmt immer wieder die Namen der großen Beratungen und Investmentbanken wie McKinsey und Goldman Sachs - als Talentpool.

"Er heuert doch fast schon im Zehn-Minuten-Takt Berater an", sagt Christian Thaler-Wolski, der für den Risikokapitalgeber Wellington Partners spannende Gründungsideen aus dem Webbereich sucht und die Szene sehr gut kennt.