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Internationalität
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Internationalität in Privatschulen

Not amused: Englisch lernen vom Spanier

Ulrike Heitze
Viele Ausländer besuchen Privatschulen in Großbritannien. Darunter leidet das typisch Britische.
Tamara Köster* hat es eigentlich ganz gut erwischt: Seit einigen Wochen besucht die Fünfzehnjährige die elfte Klasse in einer renommierten nordenglischen Privatschule. Die Chancen auf einen guten Abschluss bei erstklassiger Betreuung stehen nicht schlecht.

Und doch ist die junge Deutsche im Moment nicht besonders glücklich. Sie schätzt, dass 80 Prozent ihrer Internatskolleginnen aus Spanien stammen – und deren lautstarke Omnipräsenz überfordert Köster sichtlich. Statt der erwarteten britischen Zurückhaltung erlebt sie ungezügeltes südländisches Temperament.

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Bei genauerem Hinsehen besteht die gefühlte spanische Übermacht aber nur aus zwölf Mädchen. Die übrigen 80 Internatsschüler stammen aus vielen anderen Ländern der Welt. Angesichts von weiteren 300 meist britischen Tagesschülern, seien 15 Prozent Kinder gleicher Nationalität keine optimale, aber auch keine untragbare Quote für ein Internat, sagt Mirjam Auweiler, Bildungsberaterin für Internatsschulen in Großbritannien, den USA und Kanada bei den Carl Duisberg Centren Köln (CDC).

Internationales Gleichgewicht

Dennoch zeigt das Beispiel, dass Internationalität in einer Privatschule gut dosiert sein will und ein wichtiger Aspekt ist, wenn es um die richtige Wahl der Bildungsstätte geht. Denn Eltern schicken ihren Nachwuchs nicht nur der guten Ausbildung wegen ins Ausland, sondern hauptsächlich, damit ihre Sprösslinge vor Ort in die Sprache und die Kultur eintauchen. Und das funktioniert besser, wenn das Kind möglichst durchgängig von Muttersprachlern umgeben ist.

In einer Schule mit allzu vielen ausländischen Kindern, die ja alle mit dem ihrer Heimat typischen Akzent Englisch sprechen, kann es mit dem lupenreinen Englisch schwerer werden, sagt Expertin Auweiler.

Die Sprache ist aber nicht das einzige Problem. "Kinder mancher Nationen, etwa die Festlandchinesen, tun sich oft schwer mit der Integration und bleiben gerne unter sich. Jugendliche anderer Herkunft müssen dann zusehen, wo sie in der Freizeit Anschluss finden.