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Bewerbung

Lebenslauf mit sprechendem Foto

Astrid Oldekop
Wie sticht man aus der Masse der Bewerbungen heraus? Mit einer Videobewerbung zum Beispiel. Noch scheuen Personaler die neue Form, doch in wenigen Jahren werden sich die Filme durchsetzen. Plus: So gelingt Ihr Auftritt - ein kleiner Leitfaden.
Bewerber greifen in Zukunft vermehrt zur KameraFoto: © Maria.P. - Fotolia.com
Ein Wochenende lang blieb in der Laizer Straße in Sigmaringen südlich von Tübingen die Küche kalt. Denn während Manuel Hummel in der Küche seiner Wohngemeinschaft sein erstes Bewerbervideo drehte, mussten die drei Mitbewohner draußen bleiben. Das Video ist Marke Eigenbau, doch das Resultat ist beachtlich und vermittelt schon in den ersten Sekunden einen guten Eindruck vom 22-jährigen Wirtschaftswissenschaftler. Die einzige weiße Wand der WG ist in der Küche, vor diesem Hintergrund filmte sich Hummel mit der integrierten Kamera seines Laptops, den Bildschirm nutzte er als Videoprompter. Das Ergebnis können Personaler nun im Internet begutachten. Dort sucht der Student per Video ein Praktikum in Großbritannien.Noch ist Manuel Hummel ein Exot. Viele Bewerber schrecken vor der neuen Bewerbungsform zurück und die meisten - ohnehin unter Zeitdruck stehenden - Personaler fürchten die neuen Dateiformate. Doch seit einiger Zeit verändert sich der gesamte Bewerbungsprozess. Das bringt auch der Videobewerbung neue Aufmerksamkeit. Bewerben per Papier - das war gestern. Der Bewerbungsprozess zieht ins Netz. Stellenanzeigen sind aus Zeitungen in Internetbörsen und auf Unternehmens-Homepages gewandert. Arbeitgeber präsentieren sich da per Film. Jobmessen finden virtuell statt. Online-Formulare und E-Mail-Bewerbungen haben die Mappen ersetzt. Unternehmen laden zu Online-Assessment-Centern und Interviews per Video-Telefon.

Die besten Jobs von allen

Der Trend ist eindeutig: Im Zeitalter der Castingshows wird das Bewerbervideo das Anschreiben ersetzen, das Foto im Lebenslauf wird zu sprechen beginnen. "Dann hören die Personaler nicht nur, was ein Kandidat sagt, sie hören auch, wie er das tut, und sie hören seine Stimme", prophezeit Bewerbungsberater Gerhard Winkler. Zwar handeln die Personaler während der Krise, dem Jobmangel und der Bewerberschwemme konservativ, und nur wenige Bewerber wagen derzeit Experimente. "Wir bekommen nur selten Bewerbungen als Video", sagt Horst Maiwald von Media-Saturn. "Wir vermuten, dass sich Bewerber in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise eher klassisch denn allzu kreativ präsentieren wollen." Doch auf lange Sicht werden die neuen Formen nicht aufzuhalten sein.Eines steht allerdings fest: Das Video wird stets eine Zugabe zur Bewerbung sein, eine sprechende dritte Seite, bestenfalls ein verfilmtes Anschreiben. Die eigentlichen Daten - Lebenslauf und Zeugnis - müssen die Kandidaten weiter in bewährter Form liefern. Auch Manuel Hummel hat neben sein Video einen Lebenslauf gestellt. In ersten Nischen ist die Videobewerbung bereits angekommen. Wer zum Praktikum ins Ausland will, wird nur schwerlich zum Interview anreisen. Ein Film löst das Problem. Per Video können Bewerber die Personaler von ihren Präsentationsfähigkeiten und ihrer Redegewandtheit überzeugen, obendrein liefern sie eine Probe ihrer Sprachkenntnisse.