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Ausgezeichnete Schülerfirmen im Bundeswirtschaftsministerium
Foto: Senem Kaya/DKJS
Klasse Unternehmen

Junger Gründergeist macht Schule

Anne Koschik
"Wirtschaftsthemen müssen an Schulen und Hochschulen eine größere Rolle spielen." Ein Vorbild dafür sind bereits heute die "Klasse Unternehmen", die Staatssekretärin Iris Gleicke im Bundeswirtschaftsministerium auszeichnete: Vier aus 125 Schülerfirmen erhielten jetzt für ihren Ideenreichtum und ihr Engagement Geldpreise, die sie in ihre Unternehmungen "reinvestieren" wollen. Innerhalb des Fachnetzwerks Schülerfirmen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) wurde der Wettbewerb, der durch die Heinz-Nixdorf-Stiftung gefördert wird, zum zweiten Mal ausgerichtet – diesmal nicht nur in Ostdeutschland, sondern bundesweit.
Für "ausgezeichnet" befand eine Jury aus Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages sowie Unternehmern und Wirtschaftsjournalisten (unter Beteiligung von karriere.de) diese Schülerfirmen:

  • 1. Platz:

    Medien & Büro SAG, Peter-Joseph-Lenné-Schule, Potsdam, Brandenburg. Sie überzeugte mit ihren Hardware- und Softwaredienstleistungen, IT-Schulungen, Designdienstleistungen im Web- und Printbereich sowie Vertrieb von Schul- und Büromaterial. Die Schülerfirma agiert schon wie ein echtes Unternehmen.

  • 2. Platz:

    Schülerschänke, Ober- und Gemeinschaftsschule Oederan, Sachsen. Ihre Aufgaben: Veranstaltungscatering und Pausenversorgung.

  • 3. Platz:

    Breakfast S-GmbH, Förderschulzentrum Paul Friedrich Scheel, Rostock, Mecklenburg-Vorpommern. Die Schülerfirma bietet ebenfalls Pausenversorgung, auch mit selbst angebauten Produkten - und hat mit ihrem Catering auch schon Bundeskanzlerin Angela Merkel überzeugt.

  • Weiterer 3. Platz:

    Imkerei der IGS List, Gesamtschule List, Hannover, Niedersachsen. Die Herstellung von eigenem Honig, Kerzen und Kerzenständern ist das Metier dieser Schülerfirma. Außerdem betreibt sie Forschung mit dem Bieneninstitut Celle und der Uni Hannover. 


Klasse Unternehmen_3
Foto: ak
     Die Schüler hatten bei der Veranstaltung unter anderem Gelegenheit, sich mit Unternehmensvertretern auszutauschen. Dabei ging es um den eigenen Antrieb, um Ängste, Ideen, Fehler, Finanzierung und Crowdfunding, Produktion und Vertrieb oder Netzwerken. Plakativ hielten sie ihre Arbeit fest.

Staatssekretärin Iris Gleicke betonte: "Man kann nicht früh genug damit anfangen, ökonomische Zusammenhänge zu verstehen, sich damit auseinanderzusetzen." Wirtschaftliches Denken und wirtschaftliches Handeln seien überall gefragt, "auch ganz normal am Arbeitsplatz." Deswegen müssten Wirtschaftsthemen in Schulen und Hochschulen eine größere Rolle spielen.

Anstöße für die Kultusministerkonferenz

Man sei im Gespräch mit der Kultusministerkonferenz, um Wirtschaftsthemen – auch mittels Kooperationen und über regionale Themen – mehr ins Spiel zu bringen. So soll es in der Lehrerausbildung darum gehen, "Unternehmergeist in den Lehrplan aufzunehmen". Aber nicht nur das: Die Elite-Hochschulen brächten tolle Forschungsergebnissen hervor, jedoch müssten die Entwicklungen besser vermarktet und schneller in neue Produkte umgewandelt werden. Die bisherige Spin-off-Mentalität reiche noch nicht aus.

Zusammen mit der DKJS sei man nun bereits dabei, den Gründergeist von klein auf zu stärken, Kreativität, unternehmerisches Handeln und soziale Kompetenz zu fördern.

Auch Stiftungsvorstand Martin Nixdorf wandte sich eindringlich an die Schüler: Unternehmertum sei wichtig, um "freiheitlich miteinander umzugehen". Die Geschäftsführerin der DKJS, Dr. Heike Kahl, bestärkte die jungen Menschen darin, nicht nur einen Traum zu haben, sondern den Mut, "tatsächlich anzufangen". Es zu versuchen und daraus zu lernen, sei wichtig.

"Denn die Antworten, die wir für die Zukunft brauchen, müssen wir entdecken."


Infos:

Im Fachnetzwerk Schülerfirmen sind mehr als 5000 Jugendliche in 520 Schülerfirmen tätig. Kooperationen bestehen mit Landesministerien, Unis und Unternehmen vor Ort. Die Schülerfirmen machen auch Erfahrungen in der Unternehmensnachfolge und sind kreativ im Recruiting.


Weitere Links:
www.unternehmergeist-in-die-schule.de 
www.karriere.de/praktikum/innovatives-berufsorientierungsprogramm
Dieser Artikel ist erschienen am 18.11.2015