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Die richtige Bewerbung

Job gesucht? Initiative ergreifen!

G. Winkler, S. Pütz
Warten Sie nicht, bis die perfekte Stelle frei wird. Bewerben Sie sich initiativ. Wer sich selbsbewusst vorstellt, beweist Mut und Entschlossenheit.
Ergreifen Sie mit Ihrer Bewerbung die InitiativeFoto: © Jake Hellbach - Fotolia.com
Wozu sich initiativ bewerben? Gewiss nicht, um höflich zu fragen, ob eine Stelle frei ist. Ihr mutiger, erster Schritt: Zeigen Sie unaufgefordert und umstandslos Ihre besondere Eignung für einen klar definierten Job. Peilen Sie gleich Ihren Traumjob an: jene Aufgabe, die Sie nach Vorlage aller Fakten erwartbar gut erledigen können. Ob dieser Job zum Unternehmen passt, klärt ein Arbeitgeber schon für sich ab. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Ihrer Bewerbung punkten können.Wer will denn das lesen?

Die besten Jobs von allen

Muster-Bewerbung 1: Initiativbewerbung um ein Praktikum
"Sehr geehrter Herr Müller, obwohlich mich nicht auf eine konkrete Stellenanzeigebeziehen kann, möchte ich mich bei Ihnen um eine Anstellung im kaufmännisch/ logistischen oder im Marketing-Bereich Ihres Unternehmens bewerben. (...) Hoffentlich sehen Sie eine Möglichkeit für mich, in Ihrem Unternehmen anstellig zu werden. Gern sende ich Ihnen meine kompletten Bewerbungsunterlagen zu."
Das muss der Bewerber ändern:
1. Senden Sie im Anschreiben kein Klick-Weg-Signal wie "Initiativ-Bewerbung um ein Praktikum". Was Sie damit ausposaunen: Sie kommen ungerufen. Seien Sie konkret: Verweisen Sie auf Ihre Berufung, sagen Sie, in welchem Bereich Sie arbeiten wollen. 2. Anfang: Starten Sie ohne Einleitung mit dem wichtigsten Fakt. Das sind die derzeitige Position oder der Abschluss plus erste praktische Erfahrung oder Leistungen und Erfolge. 
3. Hauptteil: Der Bewerber links nennt fromme Wünsche statt harter Fakten. Er sagt nichts Neues, nichts Konkretes und nichts über seine Befähigung.
4. Schluss: Machen Sie sich nicht zum stammelnden Bittsteller. Leiten Sie das Briefende mit einer Referenz ein, die Ihre Stärken bescheinigt.
Werden Sie konkret!Muster-Bewerbung 2: Praktikant im Controlling
"Sehr geehrter Herr Müller, in meinen Schwerpunkten Marketing und Logistik sowie in weiteren Aufgabenstellungen aus der Wirtschaftsinformatik habe ich überdurchschnittliche Studienleistungen erbracht. Darüber hinaus habe ich in praktischen Einsätzen bereits eigene Projektideen erfolgreich realisiert. Zu meinen Leistungen als Werkstudent und Diplomand bei der Malz AG in Graumarkt zählen der selbstständige Neuaufbau und die Vermarktung eines Kundenportals, das die Auftragsverfolgung sowie den Abruf von Produktions-, Versand-, und Zahlungsinformationen erlaubt. Insbesondere habe ich durch die Einführung eines Online-Prüfzeugnisses für Turbinen die Kostenund den administrativen Aufwand reduziert. Darüber hinaus habe ich auch als Werkstudent bei der Stobel GmbH in Ernstingen eine Teilprojektleitung im Logistikmanagement nachweisbar erfolgreich übernommen."
Mit dieser zielstrebigen Bewerbung haben Sie mit Sicherheit größere Erfolgschancen als mit der unattraktiven ersten Bewerbung.Was Personaler nervt:"Eine Initiativbewerbung unterscheidet sich nicht wesentlich von einer normalen Bewerbung. Viele Initiativbewerber haben das aber noch nicht verstanden und nehmen die Sache nicht ernst. Vielleicht glauben sie, dass das Unternehmen niemanden sucht. Ich frage mich, warum sie dann überhaupt Unterlagen rausschicken. Dabei kann man bei Unternehmen anrufen und nachfragen, ob Personalbedarf besteht. Ich finde das okay. Wenn der Kandidat vorab recherchiert hat und mir drei oder vier gezielte Fragen stellt, ist das ein Pluspunkt. Initiativbewerbungen sind Eyecatcher, da will ich im ersten Satz lesen, warum sich jemand bei uns bewirbt - und warum wir ihn einstellen sollten. Die Bewerbungen sollen auf unser Unternehmen zugeschnitten und nicht beliebig sein. Vielen Bewerbern fehlt es auch an einer gesunden Selbsteinschätzung: Wir sind eine amerikanische Firma, wer nicht gut Englisch spricht, hat bei uns keine Chance. Die meisten Unternehmen haben auf ihrer Homepage auch ein Anforderungsprofil, da sollte man schon zu 90 Prozent drauf passen. Wichtig ist mir, dass die Unterlagen vollständig sind."Sabine Pütz ist Senior Recruiter bei PRTM Management Consultants. Mitarbeiter weltweit: 660 Deutschland: 40 Bewerbungen pro Jahr (Deutschland): 400 Interviews pro Jahr (Deutschland): 120 Stellen 2008: 180, davon 30 in DeutschlandDer Bewerbungs-Coach rät1. Initiativbewerbungen laufen oft als Massenmail. Das ist in Ordnung, solange Sie keinen Wohlfühl-Werbetalk absondern. Sie sollten echte Leistungsdaten vorlegen.
2. Je mehr Sie sich als Spezialist verstehen, desto eher wenden Sie sich direkt an eine Führungskraft in Ihrer Sparte.
3. Ergreifen Sie auch gegenüber Personen, die Sie kennen, die Initiative.
4. Entschuldigen Sie sich nicht dafür, dass Sie sich initiativ bewerben. Wichtig ist nur, ob Sie das bringen, was man braucht.
5. Bewerben Sie sich nur für einen Job, nicht für mehrere. Bauen Sie sich so stark wie möglich auf. Ihre Stärke macht Sie auch für andere Aufgaben attraktiv. Jede erfolgreiche Bewerbung ist ein Vorschlag, eine klar definierte Arbeit zu übernehmen. Haben Sie keine Angst, einen Job vorzuschlagen.
6. Sobald Sie nach dem geglückten beruflichen Einstieg den zweiten Job anpeilen und sich dank Branchenkenntnis initiativ bewerben, reichen Anschreiben und Lebenslauf.
Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater und Buchautor. Auf seiner Webseite schreibt er über Bewerbungsstress und Selbstvermarktung. www.jova-nova.comNicht ablenken: Gehören Hobbys in den Lebenslauf?In English, please: Im Vorstellungsgespräch mit Englisch punktenDichter packen: Klare Strukturen im Lebenslauf
Dieser Artikel ist erschienen am 01.02.2008