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Job-Coaching: So werden Sie eine starke Marke!

Jon Christoph Berndt
Geschafft! Der Termin für das Bewerbungsgespräch steht. Im ersten Teil der vierteiligen Coaching-Serie zeigt unser Experte Jon Christoph Berndt, wie Sie sich optimal verkaufen und dabei Sie selbst bleiben.
Jon Christoph Berndt macht aus Menschen erfolgreiche MarkenFoto: © Quirin Leppert
Los geht's mit dem Beginn jeder Karriere: dem Bewerbungsgespräch. Schlaflose Nächte, schweißnasse Hände, Übelkeit. Im Kopf hat man das Frage-Antwort-Szenario schon 1000 Mal durchgespielt und ist trotzdem nervös. Lesen Sie, wie es von Anfang an besser klappt und Ihr Traumjob näher rückt.Stärken und Schwächen, die X-te

Die besten Jobs von allen

Eben hat er, der Personaler, die Frage aller Fragen gestellt. Jetzt lehnt er sich zurück, verschränkt die Arme und feixt sich einen. Innerlich rollt er bereits die Augen, schnauft auf, setzt zum Sprung an - direkt in Ihr Gesicht. Dabei will genau in diesem Moment Ihre Faust ungebremst in seines!Garantiert förderlich fürs Augenrollen, Aufschnaufen und Aufspringen ist das Runterrattern beliebter Stärken wie "Ich bin ehrgeizig", "Ich bin gewissenhaft" und nicht zuletzt "Ich bin ein guter Zuhörer". Aber auch in Sachen Schwächen gibt es eine wahre Alptraumantwort: "Ich bin manchmal etwas ungeduldig." Da zählt auch nicht, ob Sie sie nach dem Motto "Jetzt sag' ich's halt!" oder "Oh Gott, mir fällt nichts mehr ein!" rüberbringen. Dabei gibt es drei einfache Methoden, sich auf diese Frage vorzubereiten.Erstens weiß Ihre Mutter die ehrliche, die richtige, die persönliche Antwort. Schließlich kennt sie Sie schon länger und ist Ihre härteste Kritikerin. Also fragen Sie Ihre Mutter einfach. Meine Mutter hat mir damals vor einem Gespräch mit dem Düsseldorfer Werbepapst Michael Schirner auf der Habenseite übermäßige Empathie, Schreibkunst und Freundschaftsqualitäten bescheinigt; auf der Sollseite waren es zu hoch gesteckte Ziele, schlecht loslassen können und zu viel Kraft in das letzte Fünftel einer Arbeit stecken. Schirner stellte die Frage zwar nicht, den Texterjob bekam ich aber auch so.Versetzen Sie sich zweitens in Ihr Gegenüber. Welche Antworten würden Sie selbst von einem Menschen erwarten, der Sie interessiert, dem Sie Ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisieren, Ihre wertvolle Zeit schenken möchten? Mit Plattitüden lassen Sie sich sicher nicht abspeisen. Also muten Sie so etwas Ihrem Gegenüber auch nicht zu. Spüren Sie in sich hinein und sagen Sie ihm: Ehrliches, Entwaffnendes, Stolzes. Das sind wirklich Sie, das kommt echt rüber. Drehen Sie drittens doch einfach mal Ihren eigenen TV-Werbespot. Machen Sie es wie wir Markenfachleute, wenn wir einen neuen Schokoriegel im Markt positionieren. Erst definieren wir ganz klar und ungeschönt die Stärken und die Schwächen des Produkts. Dann wissen wir, wie wir die wenigen echten Stärken optimal für die verdammt teure TV-Werbung nutzen. Sie sehen - im harten Konkurrenzkampf um die Gunst Ihrer Mitmenschen sind Sie einem Schokoriegel, der um Käufer buhlt, gar nicht so unähnlich.Der Tannenbaum und die NadelnStellen Sie sich vor, der Typ gegenüber ist ein ganz Gewitzter und kommt Ihnen mit der lustigen Frage: "Wie viele Nadeln hat ein Tannenbaum?" Was tun? Austrinken und gehen, Themawechsel anzetteln, sich die herrlichen Christfeste damals auf Omas Schoß in Erinnerung rufen? Bringt alles nichts, schließlich wollen Sie diesen verfluchten Job doch haben!Eine unbequeme Wahrheit gleich vorneweg: So doof sind solche Fragen gar nicht! Vielmehr geht es darum, Ihre analytische Bandbreite und Ihre Problemlösungskompetenz zu prüfen. Die großen Unternehmensberatungen beispielsweise machen das mit Wonne. Erst laden sie ein zu den sehr exklusiven Reisetrips für Young Professionals mit Sonne, Strand und Meer. Doch schon am zweiten Tag steht ein kleines Assessment-Center an. Dann kommen Fragen vom Kaliber Tannennadeln und schon haben Sie die Rechnung für die Party. Nun heißt es kühlen Kopf bewahren und Hirn anheizen. Global daher schätzen, mehrmals nachfragen, Telefonjoker in Erwägung ziehen - führt alles zu nichts. Vielmehr ist die Frage im Grunde so egal wie das Ergebnis. Es geht allein um Ihre Art der Antwort. Schlagen Sie dafür den Weg ein, der zu Ihrer Persönlichkeit und Ihrem Stil passt. Gehen Sie zum Flipchart, nehmen Sie ein Blatt Papier, umrunden Sie den Tisch, knien Sie nieder... Was auch immer Sie in diesem Moment tun wollen, tun Sie's!Brechen Sie die Aufgabe auf verdaubare Stücke herunter, genau wie damals im Mathe-Abi. Dann werden die Schweißperlen kleiner und die Augen der Kontrolettis im Raum größer. Analysieren und argumentieren Sie strukturiert: von einem Tannenzweig und seiner ungefähren Länge ausgehen, die Nadeln pro Zentimeter und die Anzahl der Tannenzweige pro Baum annehmen und so weiter. Das ist das, was Sie dem aufregenden Beraterleben mit dem Alu-Rollkoffer ein starkes Stück näher bringt, was so oder so ähnlich auch bei BASF und Lufthansa auf der Karte steht und sogar immer mehr bei den Old Economisten vom echten deutschen Schwermaschinenbau.Mich hat vor einigen Jahren - ich wollte mal ins Global Brand Management bei einer "Global Nutrition, Health And Wellness Company" - die Frage gekillt, warum ein Kanaldeckel rund ist. Da stammelte ich mich dorthin zurück, wo ich her gekommen war. Heute weiß ich - Hauptsache loslegen und analysieren, das wär's gewesen. Machen Sie es besser! Übrigens: Der Kanaldeckel ist rund, damit er nicht ins Loch fällt.