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Richtig bewerben

Hobbys im Lebenslauf - die Freizeitfalle

Gerhard Winkler
Sie haben interessante Hobbys? Schön. Sagen sie etwas über Ihre Qualitäten im Job aus? Denn nur dann gehören sie in den Lebenslauf, meint Bewerbungsberater Gerhard Winkler.
Trennen Sie bei der Bewerbung Hobby und BerufFoto: © Microgen - Fotolia.com
Tauchen, Rudern, Katamaran-Segeln, Lesen, Inline-Skating, Kung-Fu. Diplom-Kaufmann Daniel Meyer scheint ein toller Typ zu sein - zumindest seinem Lebenslauf nach. Im Aktivurlaub würde man sich mit ihm kaum langweilen. Unterstreichen seine zahlreichen Hobbys aber auch seine berufliche Leistungsfähigkeit? Beim Bewerben erwartet alle Welt, dass Sie persönlich werden. Sie können diesem Druck nachgeben und Ihr Leben in allen Facetten offen legen. Oder Sie haben den Mut, sich entgegen der Konvention zu präsentieren. Mein Rat: Zeigen Sie Ihr Steckenpferd erst im Vorstellungsgespräch. Reiten Sie es nicht schon vorher zu Tode.Weniger ist mehrSich in der schriftlichen Präsentation bedeckt zu halten, private Statements erst einmal zurückzuhalten, dafür gibt es einige gute Gründe: Erstens: Freizeitaktivitäten lenken vom beruflichen Ich ab. Klar lässt sich von Hobbys auch auf Pluspunkte wie eine aktive Lebensführung, Wettbewerbsorientierung, Teamstärke, soziales Engagement und körperliche Kondition schließen. Verifizierbare Daten liefern aber doch nur die Bildungs- und Berufsgeschichte, das Bewerbungsfoto sowie die Empfehlung Dritter oder Arbeitsproben. Auch als Absolvent kommen Sie ohne Hinweis auf körperliche oder geistige Ertüchtigungen ins Interview. Meine Erfahrung als Bewerbungshelfer ist, dass die geradlinige, auf die berufliche Tüchtigkeit ausgerichtete Erfolgs- und Leistungsbilanz einen Kandidaten weit sicherer über die erste Hürde bringt als alles Menscheln.Zweitens: Wer schon vorab so erschöpfend Auskunft gibt, erschöpft. Ungebremste Selbstaussagen wirken meist offenherzig-naiv und unglaublich banal.Die Devise des Selbstvermarkters lautet darum nicht: Ihr dürft alles über mich wissen. Sie heißt: Gesagt sei, was mich stark macht. Die gelungene erste Präsentation Ihres Leistungsangebots im Lebenslauf gibt daher nicht alles preis. Sie befriedigt den Appetit auf gehaltvolle, verwertbare Information und macht zugleich neugierig auf die ganze Person.Drittens: Jeder Job-Profi zieht eine klare Trennungslinie zwischen privatem und beruflichem Ich. Ganz gewiss soll ein Jobanbieter von den spannenden Facetten Ihrer Persönlichkeit erfahren. Doch was Sie während Ihres kurzen Feierabends und am Wochenende unternehmen, ist Teil Ihres privaten Lebens, nicht Ihres Berufslebens. Es gehört deshalb nicht in eine Bewerberpräsentation - auch wenn dies psychologisierende Personaler gern anders sehen.Erfolge zählenNur dort, wo sich Hobby und Job direkt berühren, erhält eine Erwähnung der eigenen Freizeitbeschäftigungen Gewicht für die Bewerberauswahl. Jedes soziale, musische, sportliche Engagement in organisierter Form, jede ehrenamtliche Trainer- und Dozententätigkeit wertet Ihren Lebenslauf ebenso auf wie Mitgliedschaften in Berufsverbänden oder Standesorganisationen. Listen Sie auf, seit wann Sie wo aktiv sind, welche Funktionen Sie übernommen, welche Erfolge Sie errungen haben, zum Beispiel so:- seit 2004 Mitglied, Alumni-Netzwerk FHTW Berlin und BBA Berlin.
- seit 1999 Jugendwart, sportlicher Leiter, TuS Weinheim e.V., Abteilung Badminton.
- Planung, Durchführung von Turnieren; Mitglied im Sportausschuss; mehrfacher süddeutscher Meister, Südwestmeister. 
- seit 2004: Trainer.
- seit 2005: Schiedsrichter, Baden-Württembergischer Badmintonverband.
Nach den Hobbys und Interessen wird man Sie gewiss noch genauer im Jobinterview fragen. Wer Kandidaten kritisch auf ihre Jobtauglichkeit prüft, der wird ihr Profil rundum abklopfen. Jobanbieter wollen schließlich wissen, wie man tickt. Im Vorstellungsgespräch können Sie Ihre Stärken am besten unter Beweis stellen. Denn da unterstreichen Sie mit Ihrer ganzen physischen Präsenz Ihre Aussagen. Da können Sie auch weiter zulegen und beispielsweise als Literaturfreund Ihre letzte Lektüre resümieren.Gefährliche LeidenschaftVielleicht entwickelt sich sogar eine kleine Fachsimpelei über Dan Browns Da Vinci Code oder auch übers Katamaran-Segeln, wenn sich herausstellt, dass Sie und Ihr Gesprächspartner gleichermaßen an dem Thema interessiert sind. Gut so, das lockert die Atmosphäre und baut persönliche Verbindungen auf. Für die Gesprächsführung aber gilt: Dosieren Sie Ihren Enthusiasmus mit Bedacht. Wenn Sie über Ihren Beruf und den angestrebten Job reden, lassen Sie Ihr inneres Feuer mächtig aufleuchten. Reden Sie dagegen über Ihre aktive Freizeitgestaltung, dann darf höchstens ein inneres Glühen durchscheinen. Bringen Sie selbst das Gespräch wieder zurück zur Organisation, zum Job und zu den Konditionen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Sie immer dann besonders aufleben, wenn es nicht um den Beruf geht.
Miriam Bax
Miriam Bax, Jobmarkt-Expertin bei karriere.de  
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Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite www.jova-nova.com/Was Personaler nervt"2005 haben sich 3.550 Leute bei uns beworben. 800 haben wir zum Gespräch eingeladen, 200 von ihnen eingestellt. Gut zwei Drittel der Absolventen geben ihre Hobbys im Lebenslauf an. Oft steht dort "Lesen, Mannschaftssport und Reisen". Mir fehlt nichts, wenn ein Kandidat solche Angaben weglässt. Nur in etwa der Hälfte der Interviews spreche ich die persönlichen Interessen an.Interessant sind Hobbys dann, wenn sie Hinweise auf die Persönlichkeit des Bewerbers geben. Außeruniversitäre Engagements können uns etwas über die soziale Kompetenz sagen. Wer allerdings zu viele Hobbys angibt, wirkt leicht unglaubwürdig. Ich habe schon erlebt, dass Kandidaten versuchen, sich mit Hobbys interessant zu machen, die sie gar nicht haben. Einen angeblichen Reiter habe ich gefragt, wie er sein Hobby mit dem Examen vereinbaren kann. Da kam heraus, dass er vor drei Jahren das letzte Mal auf einem Pferd gesessen hat.Freizeitaktivitäten runden lediglich das Bild des Kandidaten ab, sind aber keinesfalls entscheidend dafür, ob wir jemanden einstellen oder nicht. Je mehr Berufserfahrung jemand hat, desto weniger sollten Hobbys im Lebenslauf auftauchen. In Bewerbungen aus dem angelsächsischen Raum sowie in Unterlagen, die uns über Headhunter erreichen, steht übrigens so gut wie nie etwas über die Hobbys der Kandidaten."Karola Jensen ist Teamleiterin in der Personalbetreuung bei der WestLB AG.

Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht am 01.10.2006.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.08.2013