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Spitzenkräfte

Headhunter auf der Pirsch

Claudia Obmann
Harte Zeiten für Headhunter - Führungskräfte lassen sich nur schwer zum Jobwechsel bewegen. Angst vor Veränderung und mangelnde Mobilität lässt viele an ihren Sesseln kleben - das ist die Chance für ambitionierte Initiativbewerber.
Headhunter in BesetzungsnotstandFoto: © Economy-One.de
Dieser Anruf schmeichelt jedem Ego: Ein Unternehmen der Kunststoffbranche sucht einen Ingenieur als Projektleiter, gut 70.000 Euro Jahresgehalt winken - Interesse? Klar. Doch als Headhunter Eugen Hammer die Stelle näher beschreibt, die er besetzen soll, kneifen sämtliche Kandidaten: Längere Einsätze in Asien, um die Fertigung zu koordinieren, will niemand auf sich nehmen.Headhunter in Besetzungsnot. Als verlängerter Arm der Unternehmen hatten Personalberater im vergangenen Jahr über 40.000 Suchaufträge zu bewältigen, in diesem sollen es noch mehr sein. Doch den Headhuntern fällt es ungewohnt schwer, ihren Auftraggebern Top-Kandidaten zu präsentieren. "Früher habe ich etwa 25 Leute ansprechen müssen, bis ich einen Kandidaten hatte, heute sind es locker 50", schätzt Hammer. Kaum jemand lässt sich von seinem Arbeitsplatz loseisen. Immer öfter springen Kandidaten bis zur letzten Sekunde vor Vertragsunterzeichnung ab.

Die besten Jobs von allen

Eine Katastrophe für jeden Kopfjäger - aber eine Riesenchance für ambitionierte Young Professionals und qualifizierte Jobsuchende mit Berufserfahrung. Initiativbewerbungen waren bei Headhuntern lange verpönt, inzwischen sind sie dankbar für jeden guten Kandidaten, der sich selbst ins Spiel bringt - vorausgesetzt, Branche und Qualifikationsprofil passen zum Kundenkreis.Die Personaljäger haben vermehrt schicke Posten im Angebot: Besonders flott dreht sich das Stellenkarussell wieder für Consultants aller Couleur: Denn neben BCG und Co. heuern auch Marktforschungsinstitute, Werbeagenturen, IT-Dienstleister und Software-Unternehmen frische Kräfte an. "Der Personalbedarf zieht in vielen Branchen leicht an", stellt Wolfgang Lichius erfreut fest. Der Partner bei Marktführer Kienbaum Executive Consulting ist nebenberuflich Vorsitzender des Fachverbands Personalberatung im BDU und kennt das Business aus dem Effeff.Interessante Jobs gibt es außerdem für Ingenieure, Betriebswirte, Logistiker und IT-Spezialisten. Dringend benötigt werden Bilanzexperten: Der Markt an Kandidaten mit Kenntnis internationaler Rechnungslegungsvorschriften wie IAS ist leer gefegt. Qualifiziertes Personal für ihre momentan extrem anspruchsvolle Kundschaft zu finden, ist für die Personalberater eine echte Herausforderung.Denn die üblichen Verdächtigen in ihren Karteien kriegen den Hintern nicht hoch. Ein interessanter Posten, der wegen eines notwendigen Auslandseinsatzes oder auch nur wegen eines Umzugs innerhalb Deutschlands ausgeschlagen wird - das passiert Headhuntern zurzeit ständig. "Ein großer Teil der Führungskräfte ist wenig bis überhaupt nicht mobil", klagt Joachim Staude, Vizepräsident beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater, stellvertretend für die insgesamt rund 1.800 Firmen der deutschen Personalberaterszene.Die Zögerer und Zauderer lähmt ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis. Schreckgespenst der Sesselkleber: beim nächsten Strategiewechsel des neuen Arbeitgebers oder der Stilllegung des gerade übernommenen Geschäftsbereichs selbst auf der Straße zu landen oder die Probezeit nicht zu überstehen. Neben den chronischen Angsthasen beobachten Personalberater noch ein weiteres Phänomen: Die Führungskräfte der mittleren Ebene sind satt. Anstatt die nächsthöhere Etage zu erobern, begnügen sie sich mit ihrem Routinejob.Freizeit vor Gehaltserhöhung, lautet das Motto. Zunehmend mauern auch Partner oder Familie, die bei einem Ortswechsel ihre sozialen und beruflichen Bindungen opfern müssten. Weil die mit einem Stellenwechsel verbundenen Gehaltssprünge von etwa zehn bis 15 Prozent nicht mehr überzeugend wirken, setzen sich die Angehörigen mit ihrem Veto durch. Bei so viel Bunkermentalität weicht die Maxime auf, dass optimale Kandidaten nur aus ungekündigter Stellung heraus präsentiert werden.