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Crashkurs

Gespräch mit dem Headhunter

Julia Troesser
Ihnen stellt ein Personalberater einen Job in Aussicht? Dann sollten Sie einige Regeln beachten: Beziehen Sie Position, meiden Sie die Gehaltsfrage und wägen Sie ausführlich ab.
Kurz halten.

Klären Sie im ersten Telefonat mit dem Headhunter nur, ob generell Interesse für ein weiteres, ausführliches Gespräch besteht. "Der Berater sollte Ihnen dazu die Kernpunkte der Jobofferte benennen - also die Position, Art des Unternehmens und Attraktivität der Stelle", sagt Joachim Staude. Er ist selbst Personalberater und Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU).


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Fünf bis zehn Minuten sind dafür ausreichend. "Personalberater dürfen die Kandidaten zwar an ihrem Arbeitsplatz anrufen, aber übermäßig lange Gespräche sind nicht gestattet", sagt Staude.

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Position beziehen.Wenn Sie schon beim Erstkontakt einen beruflichen Wechsel ausschließen - etwa weil Sie Ihr Unternehmen nicht verlassen wollen oder einen Umzug ausschließen - sollten Sie dies direkt kommunizieren. Sonst verschwenden Sie nur Ihre Zeit und die des Vermittlers.Überraschung verhehlen.Zeigen Sie sich nicht überrascht, wenn der Personalberater am Apparat ist, und fragen Sie keinesfalls, wie der Anrufer überhaupt auf Sie gekommen ist. "Diese Frage zeigt einerseits Unerfahrenheit im Umgang mit Personalberatern, zum anderen Unkenntnis ihrer Arbeitsweise", sagt Tiemo Kracht. Er ist der Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants.Gehaltsfrage meiden.Fragen Sie außerdem nicht unmittelbar beim Erstkontakt nach dem Gehalt der vakanten Stelle. "Damit wird sofort erkennbar, dass der Gesprächspartner stark monetär angetrieben ist und inhaltliche Ansprüche hinten anstellt", sagt Tiemo Kracht. Und das schmälert die Wechselchancen.Rückfragen stellen.Sehen Sie das Telefonat mit einem Headhunter nicht als Interview, sondern als Gespräch an. So Sie ungestört sprechen können, beschränken Sie sich also nicht nur aufs Antworten, sondern stellen auch Sie Fragen. Der Headhunter sollte Ihnen in jedem Fall seinen Namen und das Beratungsunternehmen, für das er arbeitet, nennen. Auch seine Kontaktdaten ist er Ihnen schuldig. Lassen Sie sich nicht darauf ein, dass der Berater Sie zu einem späteren Zeitpunkt zurückruft - das deutet auf eine unseriöse Arbeitsweise hin.
Zusatzinformationen einholen.Bitten Sie den Personalberater, Ihnen eine ausführliche Stellenbeschreibung und noch weitere Informationen zu schicken - natürlich an Ihre private E-Mail-Adresse. Wenn dies Ihr Interesse weckt, sollten Sie in einem weiteren Telefonat das genaue Profil der Position herausfinden: Welche Aufgaben umfasst die Stelle, was könnten Sie bewegen und wie viel Verantwortung würde Ihnen übertragen? Natürlich dürfen in diesem Gespräch dann auch die Vergütung und der Standort des Unternehmens angesprochen werden.Flexibilität zeigen.Zeigen Sie sich bei der Verabredung eines zweiten Gesprächs kooperativ. "Sagen Sie keinesfalls, dass Sie für die nächsten Wochen aufgrund der beruflichen Beanspruchung für persönliche Gespräche nicht zur Verfügung stehen können. Diese Aussage reflektiert mangelnde Selbstorganisation, Wichtigtuerei und auch Fremdbestimmung", rät Kracht.Details preisgeben.Im zweiten Gespräch werden Ihre berufliche Kompetenz und Ihre Karriere thematisiert. "Sie sollten einen kurzen Bogen von der Herkunft bis zur aktuellen Position spannen können", sagt Kracht. Hier interessiert den Headhunter Ihr klares Leistungsprofil. Stehen Sie aber auch in angemessenem Maß zu Schwächen und kleineren Misserfolgen. Versuchen Sie, sich dem Personalberater, "mit Besonnenheit zu öffnen".Vertrauenspersonen einweihen.Prahlen Sie nicht mit dem Anruf des Headhunters und dem damit verbundenen Interesse an Ihnen. Nach dem ersten Kontakt sollten Sie sich nur mit vertrauten Personen besprechen. Weihen Sie besonders Familie und Lebenspartner ein, denn bei einem Umzug kann die neue Stelle auch für sie Konsequenzen haben. Weiteren Rat können Sie sich bei Personen Ihres Vertrauens holen, die nicht mit Ihrem Unternehmen in Kontakt stehen und von denen Sie Diskretion erwarten können - denn die sollte unbedingt gewahrt werden, bis die Verhandlungen konkret werden. (31.10.2008)Ausführlich abwägen.Wenn Sie gemeinsam mit dem Personalberater herausgefunden haben, dass tatsächlich ein gegenseitiges Interesse besteht, müssen Sie definitiv entscheiden, ob Sie diesen Stellenwechsel wirklich durchziehen möchten. Sprechen Sie zunächst mit einem Verantwortlichen Ihres Unternehmens über Ihre berufliche Perspektive. "Stellen Sie aber dabei nicht in den Vordergrund, dass Sie ein anderes Angebot haben, sondern besprechen Sie grundsätzlich, welche Möglichkeiten es für Sie im Unternehmen gäbe", rät Staude. Falls sich dabei neue Perspektiven ergeben, sollten Sie die Alternativen sorgfältig gegeneinander abwägen. "Denn die Kirschen aus Nachbars Garten schmecken nicht immer besser als die eigenen", sagt BDU-Vizepräsident Staude.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.02.2011