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Die richtige Bewerbung

Gehören Hobbys in den Lebenslauf?

G. Winkler, Tim A. Ackermann
Snowboard fahren, Fußball spielen und Inlineskaten: Gehören meine Hobbys in den Lebenslauf? Darüber scheiden sich bei Personalern die Geister. Die einen legen Wert auf freizeitliches Engagement, die anderen halten Hobbys im Lebenslauf für Ablenkung. Zwei Bewerbungsexperten beziehen Stellung.
Vorsicht beim Angeben von Freizeitaktivitäten im LebenslaufFoto: © Gary Cowles, sxcu.hu
In unserem Online-Profil geben wir an, wie scharf wir unsere Pasta all'arrabiata mögen. Warum also sollte man dem Rekrutierer die Freizeitvorlieben vorenthalten? Hobbys und soziales Engagement gehören doch in jeden Lebenslauf, heißt es. Aber Vorsicht: Privates verwässert das Kompetenz-Profil - selbst wenn einige Personaler diese Infos explizit erwarten. Wer klug ist, plaudert darüber nur auf direkte Anfrage im Interview.Was der Personaler sagt:

Die besten Jobs von allen

"Grundsätzlich geht uns die Freizeitgestaltung unserer Mitarbeiter nichts an. Trotzdem freut es uns, wenn wir sehen, dass ein Informatiker auch mal was mit Menschen zu tun hatte und nicht immer nur in seinem Kämmerchen saß. Manche Bewerber versuchen, über gemeinsame Interessen den persönlichen Kontakt zum Personaler herzustellen und tauschen dann mit dem Gesprächspartner Tipps über gute Tauchplätze aus. Eine Bewerberin hat im Anschreiben angegeben, dass sie neben dem Studium eine studentische Autovermietung gegründet hatte. Das hatte zwar nichts unmittelbar mit der Stelle zu tun, sprach aber für ihre Fähigkeit, unternehmerisch zu denken. Ein anderer Bewerber nannte im Gespräch seine peruanische Freundin als Hobby. Er hatte ihre Familie auch mal in Peru besucht und zeigte damit, dass er sich in einem internationalen Umfeld bewegen kann. Beide haben bei uns eine Stelle bekommen. Schlechte Erfahrungen, etwa mit peinlichen und absolut unpassenden Hobbys, habe ich bisher nicht gemacht."Tim A. Ackermann ist Senior Recruitment Manager Microsoft Deutschland GmbH Mitarbeiter weltweit: 76 000 Deutschland: 2 200 Bewerbungen pro Jahr (Deutschland): k. A. Interviews: k. A. Neueinstellungen 2007 (Deutschland): 200"Keine Ego-Statements""Schön, wenn Sie Job und Privatleben ausbalancieren. Schlecht, wenn Sie's im Lebenslauf tun. Ihre Hobbys und Interessen lenken fast immer vom Leistungsprofil ab. Nur da, wo sich Hobby und Job direkt berühren, erhöht der Verweis auf private Aktivitäten Ihre Chancen als Bewerber. Geben Sie körperliche oder sonstige Ertüchtigungen noch nicht einmal dann an, wenn sie explizit erwartet werden. Ihr Lebenslauf ist nämlich eine Leistungsbilanz. Auf der Habenseite stehen harte Fakten und keine Ego-Statements. Klar lässt sich vom Hobby auf Pluspunkte wie eine aktive Lebensführung, wettbewerbsfähiges Handeln, Teamstärke, Beliebtheit und körperliche Kondition schließen. Alle diese Qualitäten soll der Rekrutierer aber von Ihren Lern- und Jobleistungen und von Ihrem Engagement ableiten. Es ist außerdem nicht gesagt, dass ein Rekrutierer Ihre Muskelspiele so positiv sieht wie Sie. Enthüllen Sie daher Ihre Hobbys erst auf Anfrage im Vorstellungsgespräch.Im direkten Kontakt orientieren Sie sich am Interviewer, an seinen Vorlieben und Werten. Private Dinge kommen zudem weit besser an, wenn man sie persönlich vorträgt. Dann unterstreichen Ausstrahlung, Haltung und der ganze Körper Ihre Aussagen. Notieren Sie aber stets Ihr soziales, musisches, sportliches und innerhalb von Organisationen verankertes Engagement sowie alle Ihre Erfolge im Leistungssport. Jede ehrenamtliche Trainer- und Dozententätigkeit, jede Mitgliedschaft in Berufsverbänden oder Standesorganisationen, jede Zugehörigkeit zu einer beruflich motivierten Online-Gemeinschaft wertet Ihren Lebenslauf massiv auf. Dazu gehört, seit welchem Jahr Sie wo aktiv sind, welche Funktionen Sie dort übernehmen, welche Erfolge Sie erzielt haben."Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater und Buchautor. Auf seiner Webseite schreibt er über Bewerbungsstress und Selbstvermarktung. www.jova-nova.comSo pflegen Sie Ihren Lebenslauf:1. Halten Sie sich an die deutsche Rechtschreibung: Ski alpin, Kajak, Inlineskates.
2. Notieren Sie den vollständigen Namen der Organisation: FSI Fachschaftsinitiative Mathematik/Physik, Universität Regensburg; Deutscher Alpenverein e.V., Sektion Regensburg.
3. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf darüber, welche und wie viele Freizeitaktivitäten Sie im Lebenslauf notieren. Lassen Sie alles Überflüssige weg. Schön, dass der Kandidat klettert und Rad fährt - aber war sein Thema nicht seine besondere Eignung für die naturwissenschaftliche Informatik?
4. Notieren Sie immer Ihr aktives, auch sportliches Vereinsengagement, ehrenamtliche Einsätze, Mitgliedschaften in fach- und jobbezogenen Verbänden oder Business-Communitys. Geben Sie Ihre Funktion oder Ihren Status an.
Bitte lächeln: Professionelle Fotos für den LebenslaufNichts verschweigen: Besser keine Lücken im LebenslaufIn english, please: Im Vorstellungsgespräch mit Englisch punkten
Dieser Artikel ist erschienen am 01.03.2008