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Kostenübernahme

Für die Bewerbung Geld ausgeben? Nein, Danke!

Katja Stricker
Immer öfter bleiben Bewerber auf den Kosten für die Fahrt zum Vorstellungsgespräch sitzen. Wann Unternehmen zahlen müssen und wie Jobsuchende Arbeitsagentur und Finanzamt an den Kosten beteiligen können.
Unternhemen müssen Kosten übernehmenFoto: © Sandra Henkel - Fotolia.com
Gleich dreimal ließ der Finanzdienstleister Göttinger Gruppe Roland Schilling* zum Bewerbungsgespräch antreten. Einmal flog der Hochschulabsolvent von seiner Heimatstadt Bonn nach Berlin, zweimal machte er sich mit dem Zug nach Göttingen auf - vier Stunden hin, vier Stunden zurück. Schließlich wollte der 30-Jährige den Job als Vorstandsassistent unbedingt haben. Mehr als 600 Euro streckte Roland Schilling vor, für Flug, Zugtickets sowie Spesen für Verpflegung und Taxi. "In den Einladungen hatte mir das Unternehmen die Kostenübernahme für Bahnfahrten zweiter Klasse garantiert", sagt Schilling. Über neun Monate lief der Diplom-Volkswirt vergeblich seinem Geld hinterher. "Wenn das alle Firmen, bei denen ich mich im letzten Jahr beworben habe, gemacht hätten, wäre ich jetzt pleite", sagt der 30-Jährige. Erst als er einen Anwalt einschaltete, reagierte die Göttinger Gruppe und überwies gut 500 Euro. Wie Roland Schilling geht es zurzeit vielen Jobsuchenden. Häufig lassen Unternehmen Bewerber zum Vorstellungsgespräch antanzen - ohne die anfallenden Kosten zu übernehmen. "Vor allem auf Hochschulabsolventen wälzen die Firmen oft die Anfahrtskosten ab", beobachtet Thomas Rübel, Berater und Geschäftsführer beim Büro für Berufsstrategie in Berlin. Für Berufseinsteiger, die deutschlandweit einen Job suchen und von Gespräch zu Gespräch touren, kann das teuer werden.

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Muss aber nicht. Denn lädt ein Unternehmen einen Bewerber ein, muss es laut Paragraf 670 BGB notwendige Ausgaben ersetzen, die im Zusammenhang mit einem Vorstellungsgespräch anfallen. Das gilt unabhängig davon, ob sich der Kandidat auf eine Stellenanzeige oder initiativ beworben hat und ob am Ende ein Arbeitsverhältnis zustande kommt. "Es spielt auch keine Rolle, ob die Einladung zum Gespräch schriftlich oder telefonisch erfolgt ist", sagt Pia Alexa Becker, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Münchener Kanzlei Dr. Knut Müller Rechtsanwälte.Unternehmen können Kostenübernahme ausschließenDoch die Regelung lässt ein Hintertürchen offen: Das Unternehmen kann eine Kostenübernahme bereits in der Einladung ausschließen und muss dann nicht zahlen. Die Erstattung erst beim Gespräch vor Ort ablehnen, darf der potenzielle Arbeitgeber jedoch nicht. "Wir übernehmen bei Bewerbungsgesprächen keine Vorstellungskosten" - diesen Satz lesen Jobanwärter mittlerweile häufig in der Einladung. "Steht davon nichts im Schreiben oder erwähnt der Personaler das Thema Fahrtkosten nicht am Telefon, kann der Bewerber davon ausgehen, dass Kosten übernommen werden", sagt Arbeitsrechtlerin Becker. Ersetzt wird in der Regel eine Bahnfahrt zweiter Klasse oder bei Anreise mit dem Pkw die Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer.Prinzipiell ist für den Weg zum Vorstellungsgespräch auch ein Flug drin, wenn eine Zugfahrt zu lang und zu umständlich wäre, etwa von Hamburg nach Stuttgart oder von Berlin nach München. "Wer fliegen möchte, sollte das allerdings vorher auf jeden Fall mit dem Personalverantwortlichen besprechen", rät Becker. Das Gleiche gilt, wenn eine Übernachtung notwendig ist, weil die An- und Abreise an einem Tag unzumutbar wäre. Theoretisch kann der Bewerber in solchen Fällen auch eine Verpflegungspauschale verlangen. "Man sollte es mit den Forderungen allerdings nicht übertreiben, vor allem, wenn der Bewerbungsprozess noch läuft", empfiehlt die Arbeitsrechtsexpertin.Schließt das Unternehmen eine Kostenbeteiligung rigoros aus, empfiehlt Berufsberater Rübel, bei kleineren Beträgen nicht weiter nachzuhaken. Lädt eine Firma Bewerber allerdings quer durch die Nation zu Gesprächen ein, ohne sich zumindest an den Kosten zu beteiligen, sollte man sich überlegen, ob die Stelle den Aufwand wirklich rechtfertigt.Arbeitsagentur anzapfen
Übernimmt das Unternehmen die Fahrtkosten nicht, können Bewerber sich das Geld unter Umständen von der Agentur für Arbeit zurückholen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Jobsuchende dort arbeitsuchend gemeldet ist und die Kostenübernahme vor dem Gesprächstermin beantragt. Nachträglich Geld für Zugtickets und Co. einfordern geht nicht.
Wichtig: Für den Antrag ist das Einladungsschreiben der Firma notwendig. Die Agentur für Arbeit stellt dem Bewerber entweder direkt eine Fahrkarte aus oder erstattet die Auslagen. Wer die Vorstellungskosten am Ende doch selber tragen musste, kann versuchen, bei der Steuererklärung einen Teil des Geldes vom Finanzamt zurückzubekommen. Denn Jobsuchende können am Jahresende ihre Bewerbungskosten als Werbungskosten steuermindernd geltend machen. Und zwar auch dann, wenn der Bewerber im gleichen Jahr keine Einnahmen hatte, weil er beispielsweise gerade erst Examen gemacht hat und ansonsten nur auf Jobsuche war.Diese so genannten vorab entstandenen Werbungskosten können vom Finanzamt als Verlust festgestellt werden und senken im nächsten Jahr die Steuerlast - wenn endlich der ersehnte Arbeitsvertrag unterschrieben ist.Das sagen die Richter
Benzin ja, Telefon nein. Unternehmen müssen grundsätzlich die Fahrtkosten übernehmen, wenn sie einen Bewerber zum Vorstellungsgespräch einladen. Allerdings nur im nötigen Umfang. Bei einer Anreise von beispielsweise 200 Kilometern muss die Firma zwar die Benzinkosten oder eine Bahnfahrkarte zweiter Klasse zahlen, nicht aber Telefon- und Verpflegungskosten.
AG Frankfurt/Main, 7 Ca 6251/02 Taxi fahren erlaubt Ein Bewerber darf davon ausgehen, dass Taxikosten für die Fahrt vom Hauptbahnhof bis zum einladenden Unternehmen erstattet werden, wenn in der Anreisebeschreibung mit der Bahn die Nutzung eines Taxis als eine mögliche Variante ausdrücklich genannt ist.
AG Köln, 2 Ca 10220/04 Flieger bestätigen lassen Will ein Bewerber mit dem Flugzeug anreisen, kann er die Kosten nur dann vom Unternehmen zurückverlangen, wenn er dies vorher bestätigt bekommen hat. Das gilt auch, wenn die einladende Firma allgemein zugesagt hatte, die Reisekosten zu tragen.
AG Hamburg, 13 Ca 24/94
Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2006