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Dringend gesucht: Techniker und Naturwissenschaftler
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MINT-Herbst-Report

Dringend gesucht: Techniker und Naturwissenschaftler

Kerstin Dämon, wiwo.de
Alle lieben Technik – nur arbeiten will im naturwissenschaftlich-technischen Bereich offenbar niemand. Der Wirtschaft fehlen rund 360.000 Fachkräfte aus dem MINT-Bereich. Dem gegenüber stehen zig arbeitslose MINT-Kräfte.
Physik und Chemie findet der 18-jährige Linus Wiora so faszinierend wie andere Teenager in seinem Alter Popmusik und Fußball. Seit der zweiten Klasse verbringt er seine Freizeit im Schülerforschungszentrum (SFZ) im oberschwäbischen Bad Saulgau – zunächst mit Physikexperimenten, dann im Robotics-Kurs mit dem Bau kleiner Roboter.

Für SFZ-Gesamtleiter Tobias Beck sind die kostenlosen Angebote angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland dringend notwendig: "Bei Sport und Musik haben wir eine perfekt ausgeprägte außerschulische Förderung", sagt der Naturwissenschaftler. "Was wir nicht haben, sind Vereine für die MINT-Fächer. Wer Fußballer werden will, muss kicken dürfen. Wer eine Karriere in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik anstrebt, muss sich auch hier in der Freizeit austoben dürfen."

Lieber Profifußballer als Physiker

Doch während viele Kinder von einer Karriere als Profifußballer träumen, stehen der Elektrotechniker, der Physiker oder der Informatiker nicht sonderlich hoch im Kurs – und zwar weder bei Jungen noch bei Mädchen. Das macht sich auch später an den Universitäten bemerkbar, wo immer noch alle Arzt oder Anwalt werden wollen, aber eben nicht Chemiker oder Big Data-Scientist.

Die Folgen spürt die deutsche Wirtschaft bereits jetzt sehr deutlich. Obwohl derzeit rund 6,5 Millionen Menschen in einem MINT-Beruf arbeiten – je 1,2 Millionen sind Akademiker beziehungsweise Meister- oder Techniker, 4,1 Millionen sind MINT-Facharbeiter – reicht es nicht. Laut dem MINT-Herbstreport 2015 von der Initiative "MINT Zukunft schaffen" fehlten allein Ende September in Deutschland 363.800 Naturwissenschaftler und Informatiker. 2020 sollen es 600.000 sein. Und zwar sowohl Frauen als auch Männer.