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Die Zukunft der Ausbildungsberufe
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Digitalisierung

Die Zukunft der Ausbildungsberufe

wiwo.de, dpa
Der Einzug von digitalen Techniken verändert das Berufsleben. Die Ausbildungspläne müssen angepasst werden. Sterben alte Berufe aus?
Kann man im Bewerbungsgespräch eine Frage nicht beantworten, hat das in der Regel nichts Gutes zu bedeuten. Lukas Röhrich brachte es einen Ausbildungsplatz. Der heute 20-Jährige hatte sich nach seinem Abitur beim Werkzeugmaschinenbauer Trumpf für eine Ausbildung zum Mechatroniker beworben. Der Ausbildungsleiter fragte ihn, ob er wisse, was ein Produktionstechnologe ist. Als er verneinte, riet man ihm, sich zu informieren. Röhrich befolgte den Rat – und macht jetzt die Ausbildung bei dem Werkzeugmaschinenbauer.

"Gereizt hat mich, dass man in der Ausbildung größere Zusammenhänge lernt als beim Mechatroniker", sagte Röhrich. Produktionstechnologen planen und betreuen industrielle Produktionsprozesse und richten Produktionsanlagen ein. Sein Lehrlingskollege Christian Schneider, der den Beruf bei Trumpf schon im zweiten Lehrjahr lernt, wusste dagegen, worauf er sich einlässt. Bei Ferienjobs hatte er die Arbeit an Maschinen kennengelernt – und sich mehr für die Prozesse interessiert. "Ich wusste genau, dass ich einen Beruf mit diesen Inhalten lernen wollte." Er hatte Glück: Denn den Beruf des Produktionstechnologen gibt es erst seit 2008.

Ihrer Zeit voraus

Industrie und Verbände sahen damals die Notwendigkeit für den neuen Beruf. "Die Digitalisierung nahm zu, gleichzeitig spielte Prozessoptimierung eine immer größere Rolle", sagt Trumpfs Ausbildungsleiter Andreas Schneider, der an dem Berufsbild mitgearbeitet hat. "Dafür hatten wir keinen wirklichen Ausbildungsberuf."

Die Nachfrage ist noch verhalten: 2014 wurden bundesweit erst 146 Produktionstechnologen ausgebildet. Zum Vergleich: Im selben Jahr waren es 26 161 Mechatroniker. "Der Produktionstechnologe war seiner Zeit voraus", sagt Michael Assenmacher, Ausbildungsreferent beim DIHK. Der Autozulieferer Bosch beispielsweise lässt erst von Herbst an die ersten Produktionstechnologen ausbilden.

"Mittelfristig werden sich alle Berufe verändern, weil die Digitalisierung Einzug hält", sagt Siegfried Czock, Leiter Aus- und Weiterbildung, bei Bosch. "Nicht zwangsläufig werden dadurch aber immer neue Berufe entstehen."