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Richtig bewerben

Die kreative Bewerbung

Britta Domke
Eine Bewerbungsmappe mit lauter Grinsefröschen? Warum nicht! Unter hundert Bewerbern machen Sie mit einer originellen Bewerbungsmappe auf sich aufmerksam. Aber Vorsicht: Übertreiben Sie nicht. Achten Sie darauf, dass die Bewerbung zu Ihnen und zum anvisierten Job passt.
Vorsicht: Kreativität heißt nicht nur gut basteln könnenFoto: © Susanne Güttler - Fotolia.com
Eine Idee musste her. Eine richtige Werbe-Idee – ein bisschen hintergründig und toll gestaltet. Was man eben so braucht für eine Bewerbung in der Kreativbranche. Also verabredete sich Danijela Indjic mit einer Freundin im Café, die beiden stormten ein wenig Brain – und plötzlich war da dieser Froschkönig. Mit einer Bewerbungsmappe voll frecher Grinsefrösche eroberte sich Indjic, 24, damals freiberufliche Grafik-Designerin, ihre erste feste Stelle als Junior Art Director bei Greco, einer Tochter der Werbeagentur Grey. Dabei hatte Danijela Indjic zunächst nur eine Klappkarte verschickt. „Jeder 7. Frosch ...“ stand da auf der Vorderseite unter sechs bedröppelten Quakern. Wer die Karte aufklappte, dem streckte ein Froschkönig seine ausziehbare Zunge heraus: „... ist für eine Überraschung gut! Hier kommt Ihr neuer Junior-AD!“ Mit der Karte habe sie neugierig auf sich machen wollen, erklärt Danijela Indjic. „Ich brauchte erst mal eine Chance, mich vorzustellen. Das geht am besten mit einem Aha-Effekt.“Ebenso liebevoll wie die Klappkarte hat Danijela Indjic auch ihre komplette Bewerbung gestaltet. Als Creative Resources Manager Walter Siebenborn bei ihr die Mappe plus zehn Arbeitsproben anforderte, brachte sie das kleine Gesamtkunstwerk kurzerhand persönlich bei ihm vorbei. Und er war begeistert: „Man sieht, sie hat sich wahnsinnig angestrengt, sowohl vom Text her als auch von der Gestaltung.“ Zwei Wochen brauchte sie, bis ihre Bewerbungsmappe fertig war. Schließlich hockte der Froschkönig als Logo auf jedem Seitenkopf – selbst auf den eingescannten Zeugnissen. „So eine Corporate Identity erwarte ich von einem Grafiker“, lobt Siebenborn. „Der gesamte Auftritt muss stimmig sein – und sehr sauber, denn exaktes Arbeiten ist wichtig in diesem Beruf.“

Die besten Jobs von allen

Dass Danijela Indjic nicht nur gestalten kann, sondern auch ihren Text auf die Frosch-Illustrationen abgestimmt hat, war für Siebenborn ein zusätzliches Bonbon. Nur selten machten sich Grafiker auch um die Formulierungen ihrer Bewerbung solche Gedanken, weiß er – obwohl sie später oft mit Texten arbeiten müssten. „Es war mir wichtig, dass die Idee eine runde Sache wird“, erklärt auch Danijela Indjic. „Und weil es meine erste Bewerbung war, habe ich besonderen Ehrgeiz entwickelt.“Die rund 100 Euro, die sie dafür ausgegeben hat, haben sich mehr als rentiert: Zehn Bewerbungen brachten ihr sechs Vorstellungsgespräche und vier Angebote ein, darunter auch das von Grey. Dabei war im Stammhaus gar keine Stelle frei. Doch Walter Siebenborn machte sich dafür stark, dass die Grafikerin bei der Tochteragentur Greco eine Chance bekam.Dass sich in den konservativen Branchen kaum jemand traut, eine originelle Mappe zu gestalten, findet Danijela Indjic richtig schade. „Man muss schon selbst dafür sorgen, dass die Menschen in der Personalabteilung an einer Idee hängen bleiben.“ Ihre Strategie: Auffallen durch Individualität. Auch Siebenborn rät, es einfach mal zu probieren. Man müsse es ja nicht so übertreiben wie der Kandidat, der ihm einst eine schwere Metallplatte schickte mit der Aufschrift: „Damit meine Bewerbung mehr Gewicht bekommt.“
Dieser Artikel ist erschienen am 01.04.2001