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Knifflige Fragen im Vorstellungsgespräch
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Knifflige Fragen im Bewerbungsgespräch

Bloß nicht abblocken

Lisa Oenning, wiwo.de
Mit fiesen Fragen wollen Personaler Bewerber aus der Reserve locken. Im Interview erklärt Karriereexpertin Maja Skubella, welche Reaktionen ein absolutes No-Go sind und wie sich Bewerber vorbereiten können.
Der Personaler fragt den Bewerber, wie viele Schokolinsen in einen Bus passen. Das hat doch nichts mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun.

Das ist richtig. Der Personaler will dadurch herausfinden, wie sein Gegenüber mit dieser unerwarteten Frage, die nichts mit dem Job zu tun, umgeht. Es geht dem Unternehmen darum, zu erfahren, wie analytisch und lösungsorientiert der Bewerber vorgeht. Und ob er vielleicht auch die nötige Portion Humor mitbringt.

Und von zwei schwierigen Fragen kann man auf die gesamte Persönlichkeit eines Bewerbers schließen?

Es gibt tatsächlich Bewerber, die ihr wahres Gesicht zeigen, wenn sie Stress ausgesetzt sind. Die Personaler sind geschult und deshalb in der Lage, die jeweiligen Reaktionen zu deuten. Aber natürlich verhalten sich Menschen im Stress anders als in einer Alltagssituation. Das sollte der Personaler differenzieren können.

Wie sollten Bewerber also nicht reagieren?

Der Bewerber macht sich unbeliebt, wenn er direkt die Antwort verweigert, ohne über die Frage nachzudenken, oder sich gar in eine Kampfhaltung begibt – und den Personaler fragt, ob die Frage ernst gemeint ist. Denn wenn der Bewerber abblockt, spricht das dafür, dass er sich nicht mit ungewohnten Situationen sachlich auseinandersetzt und nicht bereit ist, zu kooperieren.

Gibt es weitere No-Gos?

Ein weiteres Negativ-Beispiel ist, wenn die Person völlig verzweifelt auf die Frage reagiert und sich etliche Male dafür entschuldigt, dass sie die Antwort nicht weiß. Dann schließen die Personalverantwortlichen aus dem Verhalten, dass der Bewerber wahrscheinlich zu sensibel und nicht so belastbar sein könnte.

Wie reagieren Bewerber denn Ihrer Erfahrung nach?

Sie reagieren zunehmend entspannter, da sie wissen, dass solche Fragen im Vorstellungsgespräch immer häufiger vorkommen. Bevor die Personaler zu den trickreichen Fragen kommen, stellen sie in der Regel typische Fragen zur Person und zum Unternehmen, sodass sich die Bewerber in das Gespräch einfinden können. Da sorgen die kniffligen Fragen zwar oft für einen Adrenalinstoß, viele bleiben aber gelassen.