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Kosten

Bei Bewerbungen sparen

Katja Stricker
Bewerben ist teuer - und häufig bleiben Absolventen auf den Kosten für die Mappen sitzen. Aber: Firmen müssen die Fahrt zum Vorstellungsgespräch bezahlen und einen Teil der Ausgaben kann man sich sogar vom Finanzamt zurückholen.
Bewerbungen: Klasse statt MasseFoto: © resimerlin - aboutpixel.de
Der Arbeitsvertrag ist schon vor dem Examen unterschrieben, selbstverständlich, nachdem man sich aus drei oder vier Jobangeboten das beste rausgepickt hat. Das waren noch Zeiten, als Studenten bereits vor ihrem Abschluss oder nur wenige Wochen danach einen Arbeitsvertrag in der Tasche hatten.Sie scheinen zumindest vorerst vorbei zu sein. Die Krise ist da, das merken vor allem Berufseinsteiger. "Viele Absolventen tun sich aktuell sehr schwer, eine erste Stelle zu finden", sagt Thomas Rübel, Berater und Geschäftsführer beim Büro für Berufsstrategie in Berlin. Überall gibt es Einstellungsstopps, und die Zahl der Stellenausschreibungen ist gesunken.

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Die Folge: Der Bewerbungsprozess dauert länger - und wird teurer. "Locker 70 bis 80 Bewerbungen muss ein junger Akademiker im Moment losschicken, bis er endlich einen Arbeitsvertrag unterschrieben hat", schätzt Rübel."Viele Absolventen tun sich derzeit schwer, eine Stelle zu finden"Und das geht ins Geld: Bewerbungsfotos, Mappen, Kopien, Porto. Hinzu kommt, dass in der Krise Unternehmen häufig Bewerber zum Vorstellungsgespräch einladen, ohne die anfallenden Kosten zu übernehmen. "In kleineren und mittleren Unternehmen ist auf jeden Fall die Tendenz da, bei den Bewerbungskosten zu sparen - sprich, möglichst keine Fahrt- und Übernachtungskosten für Bewerber mehr zu übernehmen", sagt die Stuttgarter Karriereberaterin Petra Perlenfein.Rechtlich sind Unternehmen eigentlich verpflichtet, notwendige Ausgaben zu ersetzen, die im Zusammenhang mit einem Vorstellungsgespräch anfallen, wenn sie einen Bewerber einladen. So steht es in Paragraf 670 BGB. Und der gilt unabhängig davon, ob sich der Kandidat auf eine Anzeige oder initiativ bewirbt und ob er den Job am Ende bekommt. "Es spielt auch keine Rolle, ob die Einladung zum Gespräch schriftlich oder telefonisch erfolgt ist", sagt Pia Alexa Becker, Fachanwältin für Arbeitsrecht in München.Doch die Regelung lässt eine Lücke offen: "Das Unternehmen kann eine Kostenübernahme ausschließen", sagt Becker. Dies müsse allerdings, mündlich oder schriftlich, bereits bei der Einladung geschehen. "Steht davon nichts im Schreiben, kann der Bewerber davon ausgehen, dass die Kosten übernommen werden", so die Juristin. Zumindest ein Bahnticket zweiter Klasse sollte dann drin sein.Mit dem eigenen Auto anzureisen - und dann die erlaubte Kilometerpauschale von 30 Cent pro gefahrenem Kilometer abzusetzen - wird dagegen bei Personalern gar nicht gern gesehen, sagt Berater Thomas Rübel. Denn da kommen schnell größere Summen zusammen: Während beispielsweise ein Zugticket von Hamburg nach Köln und zurück regulär 165 Euro kostet, mit Spartarif nur knapp 60 Euro, stünden dem Bewerber per Kilometerpauschale 260 Euro zu."Deshalb werden Bewerber oft gebeten, ein Sparticket bei der Bahn oder je nach Strecke ein Ticket bei einem Billigflieger zu besorgen", so Rübel. Übernachtungen im Hotel oder gar Taxifahrten werden nur noch in Ausnahmefällen bezahlt.