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Besser bewerben
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"Angst hat im Vorstellungsgespräch nichts zu suchen"

Kerstin Dämon, wiwo.de
Zahllose Ratgeber wollen Bewerbern auf dem Weg zum perfekten Vorstellungsgespräch beistehen. Talanx-Personalchef Thomas Belker erklärt, warum Sie die oft nicht brauchen und wie Sie mit kniffligen Fragen umgehen sollten.
Wenn man sich die zahlreichen Veröffentlichungen und Ratgeber rund um Vorstellungsgespräche anschaut, entsteht beinahe der Eindruck, es herrsche Krieg zwischen Personalern und Bewerbern: Die einen wollen unbedingt den Job, die anderen wollen sie unbedingt daran hindern. Zur Not mit unlösbaren Aufgaben...

Mich erstaunt, dass bei Bewerbern der Eindruck entsteht, es herrsche ein Krieg. Krieg würde ja bedeuten, dass es hinterher Gewinner und Verlierer gibt. Darum geht es gar nicht. Es geht darum, den geeigneten Bewerber zu finden und je nach Position ist das auch nicht immer einfach.

Jedes Bewerbungsgespräch ist subjektiv mit Stress verbunden, das geht auch Erfahrenen so. Wenn ich mich jetzt bewerben würde, wäre ich auch nervös. Man würde es mir vielleicht nicht anmerken, aber ich wäre nervös. Das ist wie mit Schauspielern, die auch vor der 50. Aufführung eines Stückes noch Lampenfieber haben. Aber das Lampenfieber hilft, sich zu konzentrieren. Stress sollte also sein, aber eben positiver Stress. Angst hat in einem Vorstellungsgespräch nichts zu suchen.

Wenn sich der Bewerber oder die Bewerberin aber so verrückt gemacht hat...

Dazu lernen Interviewer entsprechende Techniken, um Ängste abzubauen, wie zum Beispiel eine Warmup-Phase, in der man sich kennen lernt und ein paar lockere Fragen stellt. Wenn man da miteinander lachen kann, ist das Eis schon gebrochen.

Stichwort Aufwärmphase: In vielen Ratgebern heißt es "Bloß das angebotene Getränk nicht annehmen" – sonst wirke man gierig. Auch die Wahl zwischen Kaffee oder Tee verrate angeblich einiges. Steckt hinter diesem Willkommensgruß die erste Falle?

Wenn wir Kaffee anbieten, ist das reine Freundlichkeit. Das ist kein Test oder etwas ähnliches. Auch das angebotene Wasser ist ernst gemeint. Man unterhält sich ja vielleicht auch eine Stunde lang, da braucht man zwischendrin einfach einen Schluck Wasser.