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Bewerbungswiki

Krankheiten

Krankheiten in Bewerbung oder Jobinterview zu thematisieren, ist heikel. Experten raten zur Zurückhaltung – und auch Arbeitgeber dürfen nur sehr eingeschränkt nachfragen.
Eine längere Erkrankung im >>> Lebenslauf oder auf Nachfrage im >>> Vorstellungsgespräch zu erwähnen, ist schwierig – und erfordert eine Menge Fingerspitzengefühl. Deshalb sind die Experten-Empfehlungen sehr unterschiedlich. Während einige den eher offenen Umgang mit Erkrankungen propagieren, warnen andere vor den möglichen Risiken.

Denn schnell läuten bei Personalern die Alarmglocken, wenn sie im Lebenslauf von längeren und häufigeren gesundheitlichen Problemen lesen – und sie befürchten, das ihnen schon bald die erste Krankschreibung auf den Schreibtisch flattert.

Gewaltige Unterschiede gibt es bei der Art der Erkrankung: Wer beispielsweise durch einen Autounfall längere Zeit aus dem Verkehr gezogen war, kann das ruhig erwähnen. Schließlich kann das jedem passieren.

Wesentlich schwieriger ist es mit Krankheiten, Therapien oder Kuren, denn sie weisen häufig auf chronische Beschwerden hin.

Auf der anderen Seite fallen größere >>> Lücken im Lebenslauf, die länger als zwei oder drei Monate sind, Personalern sofort auf – und Nachfragen im Jobgespräch sind programmiert. Sehr problematisch sind erfahrungsgemäß auch psychische Erkrankungen wie eine Depression oder Burnout – und chronische Beschwerden wie Rückenprobleme, Asthma, Herz- und Kreislauferkrankungen.

Karriereberaterin Svenja Hofert rät in diesem Fall den Bewerbern eher zum Schweigen.

"Lässt sich eine Lücke im Lebenslauf durch einen längeren Klinikaufenthalt nicht wegschminken, könnte der Bewerber beispielsweise im Lebenslauf etwas schreiben wie 'vollständige Rehabilitation nach Unfall' oder Ähnliches", so Hofert.
"Erkrankungen wie Depressionen, Burnout, Asthma oder Bandscheibenvorfälle würde ich im Lebenslauf auf keinen Fall erwähnen."

Solche (Not-) Lügen sind allerdings vor allem im Vorstellungsgespräch nicht unproblematisch – und können im schlimmsten Fall sogar rechtliche Konsequenzen haben.

Private Fragen im Vorstellungsgespräch nicht gestattet

Haben Sie Krankheiten? Diese Frage dürfen Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch nicht stellen, wenn es keinerlei Bezug zwischen der Tätigkeit und der Erkrankung gibt. (>>> Fangfragen)

Einzige Ausnahme: Eine Krankheit des Bewerbers hätte unmittelbare Auswirkungen auf den normalen Betriebsablauf, aufgrund der Einschränkung kann die Arbeit gar nicht ausgeführt werden (z.B. bei Allergien) oder es besteht eine Ansteckungsgefahr für Kollegen oder Kunden.

Deshalb ist das Thema Gesundheit beispielsweise bei Krankenschwestern, Ärzten und Pflegepersonal, in Kindergärten oder auch bei Berufen, die direkten Kontakt zu Lebensmitteln haben wie Koch, Bäcker und Co., zulässig. In solchen Berufen ist es teilweise auch üblich, ein Gesundheitszeugnis im Laufe des Bewerbungsprozess vorzulegen. (>>> Gesundheitscheck)

Auch Fragen nach Behinderungen sind grundsätzlich unzulässig. Mehr dazu lesen Sie >>> hier

Tipp: Kommt ein früherer Burnout, ein Bandscheibenvorfall oder gar eine überstandene Krebserkrankung im Jobinterview doch zur Sprache, sollten Bewerber nicht zu ausführlich werden. Berichten Sie sachlich, dass die Erkrankung behandelt und auskuriert wurde – und jetzt kein Problem mehr darstellt.

Dieser Artikel ist erschienen am 07.07.2014